Cover: Ulf Stark, Was wir uns wünschen

„Meine Eltern gaben mir den Namen Fred – das heißt Frieden. Doch das half nichts, der Krieg brach trotzdem aus.“ Bereits in den ersten beiden Sätzen verbindet der versierte und preisgekrönte Kinderbuchautor den großen gesellschaftlichen Konflikt, in dem sein kindlicher Held aufwächst, mit der Perspektive und dem Ton, in dem er diesen (s)eine kleine, anspielungsreiche „Weihnachtsgeschichte“ erzählen lässt.

Fred vermisst seinen Papa nicht weniger als Mama ihren Mann, der weit weg eine Grenze bewachen muss. Zwar kann der Junge schon zum kargen Lebensunterhalt beitragen, indem er einem Weihnachtsbaumverkäufer hilft. Doch braucht er väterlichen Rat vor allem für seine inneren Nöte: Er ist zum ersten Mal „ein bisschen verliebt“. In die Geräusche einer Lüftungsklappe deutet Fred Papas Stimme hinein und tauscht sich so mit ihm aus. Dazwischen erzählt er (dem Leser) in kurzen Kapiteln ausführlicher, klar und dialogreich, sinnlich und augenzwinkernd von seinen Annäherungsversuchen an Elsa, dem näselnden Mädchen mit den kräftigen Armmuskeln, von der Begegnung mit einer außergewöhnlich gut riechenden Dame, die ihm zu Weihnachtsgeschenken verhilft und von der „kindischen“ Aktion mit seinem Freund Oskar. Für letztere wurden die Freunde von ihrer Klassenlehrerin sogar vor dem Rektor beschützt: Die Jungen hatten das Schulskelett mittels eines heimlich angeklebten Schnurrbarts in einen „Gerippeführer“ verwandelt. Wenig später stapfen die beiden riesige Buchstaben in den Schnee: IHR WISST WAS WIR UNS WÜNSCHEN. Und am Weihnachtsabend gehen tatsächlich Wünsche in Erfüllung und so fühlen sich Mama und Fred plötzlich wie „im Himmel“ …

Ulf Stark singt gleichsam ein Hohelied auf die Liebe –zwischen Eltern, unter Kindern, einer Lehrerin zu ihren Schülern –, durch die (auch oder besonders?) in schweren Zeiten Glücksmomente entstehen. In diesem Sinne ist auch Starks Originaltitel „Ein kleines Buch über die Liebe“ zu verstehen. Wenn der Autor dabei unterlässt, den historischen Hintergrund exakt zu benennen, ist dies ein wahrer Kunstgriff. Zwar kann der kundige Erwachsene in spezifischen Begriffen und Andeutungen („der Vierer“) unschwer die Zeit des 2. Weltkrieges in Schweden erkennen, Kinder jedoch werden erst einmal ‚nur‘ ein ‚Früher‘ ausmachen. Diesen Eindruck vermitteln auch die ganzseitigen, historisches Flair detailreich und leicht verschmitzt einfangenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Vignetten. Doch gerade in diesem kindlichen Verständnis ist bereits die Zeitlosigkeit der modernen, Generationen verbindenden und zu gemeinsamen Lesen anregenden „Weihnachtsgeschichte“ angelegt.

Edda Eska