Laut Ich-Erzähler meckert Papa, wenn das Zimmer nicht aufräumt ist, meckert, wenn beim Essen aus Versehen etwas verschüttet wird und meckert, wenn es beim Anziehen nicht schnell genug geht. „Ich frage mich, warum Mama sich ausgerechnet einen Meckerpapa ausgesucht hat? Mit etwas mehr Geld hätte sie sich im ,My Papa Vaterladen‘ sicher einen viel tolleren Papa kaufen können.“ Ein Cowboy wäre z. B. ein „viel tollerer Papa“. Mit ihm könnte der Enttäuschte durch die Prärie reiten, am Lagerfeuer sitzen oder eine leckere Limo im Saloon trinken. Aber der Protagonist weiß auch: Cowboys waschen sich nicht so gern. Und Papa riecht immer so gut! Da muss ein neuer Superheld her!

In fünf textlosen Bildfolgen erträumt sich der Sohn, ausgehend von kindlich-verinnerlichten Superhelden-Klischees, eigene Fantasie-Papas. Doch am Ende stellt er stets fest, dass auch sie nicht vollkommen sind. Sein Papa kennt ihn doch viel besser und weiß, was er gern mag.

Der Comiczeichner und Max-und-Moritz-Preisträger Ulf K. schildert aus der Perspektive des Kindes auf humorvolle Weise ein sehr realistisches Familienleben, in dem die Vater-Sohn-Beziehung die zentrale Rolle spielt. Diese ist durch immer wiederkehrende Alltagskonflikte bestimmt, in denen sich Kinder und Erwachsene wiederfinden können. Die typischen Meckerpassagen des Vaters wie „Beeile dich, …! Ich habe dir doch schon dreimal gesagt, …! Du bist ja immer noch nicht fertig!“ sind dezent rot hervorgehoben und direkt ins Bild gesetzt. Figuren und Bildelemente sind klar voneinander abgegrenzt und in warmen  Farbtönen vollflächig gezeichnet.

Insbesondere die doppelseitigen Darstellungen der Fantasieerlebnisse mit den Superhelden-Papas regen zum gemeinsamen Betrachten der Bilder an. Sie bieten Raum für das Erzählen und Reflektieren eigener Familiensituationen und Erfahrungen. Worüber „meckern“ die Mamas oder Papas der Kinder? Und wie reagieren die Kinder darauf? Welche Strategien entwickeln sie, der Meckerei etwas entgegenzusetzen? Darauf aufbauend könnte sich nach dem Betrachten des Buches ein Nachdenken über Wünsche, Erwartungen und Bedürfnisse anschließen. Was würden sich die Kinder an Papa, Mama oder anderen vertrauten Menschen anders wünschen? Könnten sie die Vorwürfe besser akzeptieren, wenn sie nicht so „gemeckert“ daherkämen?

(Der Rote Elefant 38, 2020)

Jeanette Arndt, Antje Buckow