Cover: Tomoko Ohmura, Wieso geht’s hier nicht weiter?

Dass sich seitenlanges Warten lohnt, bewies Ohmura bereits mit seinem 2012 erschienenen Bilderbuch „Bitte anstellen!“. Um die Wartezeit auch hier zu verkürzen, erzählt er nach bewährtem Prinzip wiederum viele Geschichten in einer und entschädigt Leser/Betrachter*innen am Ende mit einer Riesenüberraschung. Schon die Titelseite weckt Neugier: „Was ist da vorne los?“ fragt ein Junge auf einem Dreirad (Nr. 50) einen Bauarbeiter, der ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Stau“ aufstellt und die schwierige Aufgabe hat, den Stau zu beaufsichtigen, Drängler zurechtzuweisen und Geduld anzumahnen. Der Bauarbeiter weiß es auch nicht. Gleich mal nachsehen! Bis zur Nr. 1 ist das ein weiter Weg. Unterwegs jedoch ist der Betrachter immer wieder überrascht, was so alles Räder hat und fahren kann. Dazu gehören nicht nur Fahrrad, Buggy, Krankenwagen oder Feuerwehrauto, sondern auch eine Rikscha oder eine Reispflanzmaschine, welche auf die Heimat des Künstlers verweisen. Zum Glück sorgen für körperliche Bedürfnisse und geistige Unterhaltung ein Crêpes-Kiosk, ein Toilettenwagen und ein Bücherbus.

Mit viel wörtlich-knapper Rede und detailreichen Illustrationen reihen sich kleine Episoden aneinander, in die überdies noch Nebengeschichten eingeflochten sind. So entwischen z. B.  Schweinchen und Löwen aus ihren Transportern und müssen wie-der eingefangen werden. Endlich kommen Bauarbeiter und Betrachter bei Nr. 1 an, einem Kranwagen. Der hebt vorsichtig etwas Riesiges aus der Erde und lässt damit plötzlich den Boden unter dem Stau erbeben. Vor Freude über ihr geschlüpftes Baby richtet sich eine über vier Seiten reichende Dinosauriermutter hoch auf und mit ihr die auf ihrem Rücken gestauten Autos. Die sichere Abfahrt gelingt über den vorsichtig hinab gebeugten mütterlichen Dino-Hals. Nach gelungener Auflösung des Staus kriechen Mutter und Baby in tiefere Erdschichten zurück.

Ohmura platziert die einzelnen, klar konturierten Fahrzeuge und Objekte auf weißem Hintergrund und koloriert sie in leuchtenden Farben. Im Gras des Seitenstreifens sind die einzelnen Fahrzeuge nach Größe geordnet, benannt und durchnummeriert. Ein Buch das zum Zählen, Benennen, genauem Schauen, Staunen und Weitererzählen einlädt, egal ob in einer Kinder(garten)gruppe, zu Hause oder im Stau. Die Themen Technik bzw. Fahrzeuge könnten insbesondere Väter und Söhne inspirieren zu „fachsimpeln“. Überdies eignet sich das Buch hervorragend für die Sprachförderung, insbesondere in der Arbeit mit fremdsprachigen Kindern.

Christine Dreesen