Cover: Tom Booth, Bloß nicht blinzeln

Ein Kind klettert und balanciert über Steine auf einer Wiese, setzt sich schließlich und blickt die Betrachter*innen des Buches starr an. Einem heranfliegenden Vogel erklärt es: „Ich spiele das Blinzelspiel. Mit dem Kind dort“, und weist aus dem Buch heraus. Nun möchte auch der Vogel mitspielen! Und nicht nur er. Nach und nach gesellen sich Tiere verschiedener Lebensräume hinzu und stecken den Betrachter mit ihrem Spielfieber an. Nur die Schildkröte braucht etwas länger. Mittels der ausdrucksstarken, farblich ausgewogenen, digital gestalteten Zeichnungen können sich schon Kindergartenkinder dieses vergnügliche Bilderbuch selbständig erobern. Im Rahmen des linearen Handlungsaufbaus wird die Szenerie von Doppelseite zu Doppelseite mit immer neuen, witzig charakterisierten Tieren angereichert. Dieses Vorgehen weckt Neugier auf Kommendes: Welches Tier könnte als nächstes auftauchen? Was könnte passieren, wenn sich das Krokodil anschleicht? Und: Warum schauen diese Tiere alle so merkwürdig?

Obwohl die Grundidee des Buches auch ohne Text funktioniert, machen die kurzen Bemerkungen der Figuren zusätzliche Identifikationsangebote. So meint z. B. das schüchtern-bedrückt blickende Stachelschwein auf die Frage, ob es gewonnen habe: „Ich hoffe es, ich gewinne sonst nie“, während gleichzeitig der selbstbewusst lachende Affe verkündet: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich gewonnen habe.“ Doch wer hat tatsächlich gewonnen? Diese Entscheidung können nur die jeweiligen Betrachter*innen fällen.

Da das Buch von vornherein interaktiv angelegt ist, braucht eine Buchvorstellung der gelegten Spur nur zu folgen: Der Text wird abgedeckt, Seite für Seite eingehend betrachtet … Was wird hier gespielt? Ist das Spiel klar, könnten sich Kinder ihre Lieblingstiere auswählen und eigene Spielaufforderungen oder Kommentare erfinden. Auch eine paarweise Teilung in Buchfiguren und Buchbetrachter wäre denkbar. Wer blinzelt zuerst – Tier oder Betrachter*in? Ein anregendes und erheiterndes Buch, das beiläufig genaues Sehen, Konzentration und (Buch)Beziehung fördert. Also: Augen auf – so lang es geht!

Juliane Eyermann