Cover: Thomas Sandkühler, Adolf H. – Lebensweg eines Diktators

Der Autor, Geschichtsdidaktiker an der Humboldt-Universität, bedankt sich im Vorwort bei seiner Tochter, die ihn solange über Hitler ausgefragt hat, bis er seine Antworten schließlich – auch für andere Jugendliche – in eine schriftliche Form brachte. Dabei hat er als Wissenschaftler natürlich die vorliegende Literatur berücksichtigt (die wichtigsten Quellen sind im Anhang genannt), aber nicht nur berücksichtigt, sondern auch den jeweils von den Autoren vertretenen Positionen zugeordnet. Insofern verbindet er zumindest drei verschiedene Ziele miteinander. Das eine ist die sehr    detaillierte Schilderung des Lebenswegs von Adolf H., vom Möchtegern-Künstler zum Massenmörder. Das zweite ist eine ebenfalls informationsreiche Darstellung der Geschichte der Weimarer Republik, der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, ohne die der Siegeszug der NSDAP nicht vorstellbar gewesen wäre. Das dritte – und damit unterscheidet sich die Arbeit von einer nur historischen Darstellung – ist die Fortführung des Themas bis in die Gegenwart. Das Kapitel heißt „Der Untote“ und regt dazu an, sich mit der medialen Verwertung des Themas Hitler kritisch auseinanderzusetzen.

Sprachlich sollte das Buch jugendlichen Lesern keine Schwierigkeiten bereiten. Allerdings ist bei über 300 engbedruckten Seiten schon eine gewisse Lesemotivation notwendig. Deutlich wird, dass der Autor nicht nur berichten, sondern auch seine eigene Haltung erkennen lassen will. So nennt er an einer Stelle die NSDAP eine „Gangstertruppe“, schildert in manchen Episoden sehr genau das Verhalten des Psychopathen Hitler und belässt es bei der Darstellung des Holocaust nicht bei der Nennung von Orten und Zahlen, sondern beschreibt detailliert Tötungsmechanismen. Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos lockern die Seiten auf, Fotos, die eigens danach ausgesucht wurden, dass sie nicht schon allgemein bekannt sind. So gibt es auch „Privatfotos“ von Hitler aus dem Archiv seines Leibfotografen Hoffmann, die damals nicht für eine Veröffentlichung bestimmt waren.

Trauen sich Jugendliche die Lektüre zu, können sie sich nicht nur das Lesen einer Reihe anderer Bücher zur Zeitgeschichte sparen, sie erwerben auch ein fundiertes Wissen über das „Dritte Reich“ und den Zweiten Weltkrieg. Außerdem können sie sich gewappnet fühlen, wenn demnächst „Mein Kampf“ auf den Büchertischen zu finden sein wird.

Rudolf Wenzel