Garman (s. „Garmans Sommer“) geht jetzt zur Schule, 440 Schritte sind es. Ähnlich wie ein berühmter Vorgänger, Carl von Linné, achtet er auf alle Pflanzen auf dem Schulweg, sammelt, presst und klebt sie in ein Buch ein: sein Herbarium. Der Nachbar, ein pensionierter Postbote, sammelt auch: Briefe und Briefmarken. Garman hat ein bisschen Angst vor ihm und dessen verwildertem Garten, aber irgendwann traut er sich doch hinein. Sie reden miteinander und verstehen sich ganz gut, da sie beide gleiche Hobbies haben: das Sammeln und das Spiel mit Zahlen. Doch ein wenig merkwürdig bleibt der Mann. Er hat so seltsame Sprüche drauf wie „Nicht alle Briefe kommen ans Ziel“ oder „Es gibt immer Rechenaufgaben, die nicht aufgehen.“ Zwischendurch passiert mal was. Ronny aus der Vierten hat Garman angestiftet mit Streichhölzern zu spielen. Die Wiese brennt, aber schnell ist die Feuerwehr da und löscht.

Stian Hole erzählt wieder eine unspektakuläre Geschichte, zwischen Sommer und Herbst, eine Geschichte in Worten und Bildern, eine Geschichte, die sich manchmal auch nur im Kopf seines Helden Garman abspielt. Gleich auf dem ersten Bild sitzt er versonnen auf seinem Bett, ruhig, vor sich die leere Wand. Was denkt er? Denkt er das, was im Text steht, aber im Bild erst Seiten später auftaucht? Und welche Rolle spielen die Dinge, die um ihn herum sind: ein kleiner Globus, ein Feuerwehrauto, ein Kamel und ein Bild von Batman? Immer wieder tauchen Postkarten auf, Briefumschläge und Briefmarken, die sich vielen Ländern und Ereignissen zuordnen lassen: Costa Rica und die USA, die Mondlandung und Lady Di. Die Realität lässt sich nicht wirklich einfangen. Dem entsprechen auch wieder die verschiedenen künstlerischen Techniken, die der Künstler verwendet und auf dem Bildschirm montiert hat. Manches ist nur angedeutet, verwischt, auf dem Tischtuch sieht man eingetrocknete Wasserflecken. Zwischenwelten.

Zum Einstieg in das Buch läge es nahe, ein paar kleine Dinge vor den Kindern aufzubauen, darunter vielleicht getrocknete oder gepresste Blumen. Welche Assoziationen entstehen? Wie verhält sich die Welt im Kopf zu der da draußen?

Rudolf Wenzel