„Es blüht die Wurst nur kurze Zeit, die Freundschaft blüht in Ewigkeit.” So schrieb der Bildgeschichtenepigone Wilhelm Busch und beschwört wie viele vor und nach ihm das Ideal einer „ewigen“ Freundschaft. Doch entspricht dies der Realität?

In der Bildgeschichte „Robo und Hund“ wird von einer kurzen Freundschaft erzählt, die aufgrund widriger Umstände nicht anhält. Ein kleiner grauer Hund baut sich einen kleinen grauen Roboter und teilt mit ihm den Alltag. Freundschaft in ganz praktischem Sinn: gemeinsam lesen, kochen, fernsehen, sich umeinander kümmern. Im Urlaub geht es an den Strand, ausgelassen genießen die beiden in den Wasserfluten ihr Glück. Doch schon kurz darauf stellt sich heraus, dass sie nicht alles teilen können: Robo ist eingerostet und kann sich nicht mehr rühren. Bekümmert verlässt Hund den Strand und kehrt erst einige Zeit später zurück, nachdem ein Alptraum ihn an seine Freundschaftspflichten erinnert hat. Doch die Saison ist vorüber, der Strand abgesperrt. Im Folgenden wechselt wiederholt die Perspektive zwischen Robo zu Hund. Während der Blechmann verschiedenste Szenarien seiner Rettung im Kopf durchspielt, die Realität ihn jedoch aufs Brutalste einholt (drei vermeintliche Retter demontieren ihn, um ihr Schiff zu reparieren), macht Hund weitere Freundschaftserfahrungen, die ihm zeigen, dass man auch mit anderen an gewisse Grenzen stößt. Immer wieder erinnert er sich an Robo. Zwar bleibt Hunds Suche im direkten Sinne erfolglos, indirekt begegnet er Robo jedoch wieder, was der Betrachter auch als leises Happy End werten kann …

Sara Varon gelingt es, verschiedenste Spielarten von Freundschaft, Abschied und Neuanfang darzustellen. Gerade die große Differenz zwischen komplexem Thema und überaus schlichter Bildsprache erzeugen eine merkwürdige emotionale Spannung. Durch die Wahl ihrer Protagonisten umschifft Varon gekonnt eine Verklärung des Motivs und lässt diese nur durch ihr Verhalten sehr menschlich erscheinen. Die anfängliche Sorglosigkeit gegenüber der vermeintlich gefühllosen Maschine regt den Betrachter an, über das eigene Verhalten gegenüber anderen nachzudenken. Die am Computer colorierten Zeichnungen haben Comic-Charakter. Ohne Worte, ausschließlich körperlich Erfahrenes wie „Bibber“, „Schluck“ oder „Ring! Ring!“ wird mit Buchstaben in Sprechblasen dargestellt. Die einsamsten Momente der beiden Hauptfiguren betrachtet man auf fast leeren Seiten.

Die textlosen Bilder können Kinder ab 6 animieren, den Verlauf der Geschichte zu erzählen. Die Form des Comics lädt dazu ein, Sprechblasen zu füllen und diese entsprechend zu platzieren. Bestimmte Handlungsverläufe könnten Kinder selbst zeichnen, da Varons Stil bewusst einfach gehalten ist. Gemeinsam könnte man üben, Emotionen mit simplen Veränderungen in der Mimik der Figuren nachzuzeichnen und ganz nebenbei darüber sprechen, dass möglicherweise Nichts für die Ewigkeit ist und man darüber nicht verzweifeln muss.

(Der Rote Elefant 27, 2009)