Mit der Anspielung auf Jules Vernes‘ Romantitel „In 80 Tagen um die Welt“ beginnt Rolf-Bernhard Essig ebenfalls eine Reise, er aber will mit jungen Leser*innen in die Welt der Sprichwörter eintauchen. Sechs Kontinente (ohne Antarktika) stehen auf der Route, ausgewogen verteilt auf 60 Länder. Zu jedem Land gibt es mindestens eine Geschichte zu einem Sprichwort (ein bis zwei Seiten) mit erklärendem Ende und deutschsprachigem Pendant. Dabei stoppt Essig nicht immer an Landesgrenzen, sondern denkt auch über sie hinaus. Sprichwörter eines Volksstammes stehen neben solchen aus einer Sprache, die in mehreren Ländern vertreten ist. Das Buch enthält eine bunte Mischung aus lehrreichen Geschichten, Rätseln und Fabeln. Mal geht „wegen eines Honigtopfs das Königreich verloren“ (zu Deutsch: „Kleine Ursache, große Wirkung“) und dann wiederum bekommt man die Warnung „Geh nicht zum Affen, um Gerechtigkeit zu bekommen“ (zu Deutsch: „Wer vor Gericht zieht, braucht drei Säcke“). In die Erzählungen versucht der Autor die Leser*innen direkt einzubinden, z. B. indem er persönliche Wertungen abgibt, die Schrift auf den Kopf stellt oder dazu auffordert, ein deutsches Pendant zum „fremden“ Sprichwort zu finden. Dabei gilt es, Sprichwörter zu hinterfragen, Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten oder Parallelen zu finden. Regina Kehns blau-orange Bilder ergänzen die Texte dezent bzw. leicht ironisch. Letzteres zeigt sich z. B. am Gesichtsausdruck des armen Mannes, dessen Bart in einem Briefkasten feststeckt. Für das finnische Sprichwort „Ich warte hier mit dem Bart im Briefkasten“ streckt Kehn die Illustration über eine Doppelseite (zu Deutsch: „Die Karre steckt im Dreck“).

Nach früheren Sprichwörter-Büchern blickt Essig mit „Da haben wir den Salat“ erstmals über den Tellerrand des deutschen Sprachraums hinaus, denn Sprichwörter zu verstehen, heißt etwas über das Denken und die Mentalitäten anderer Kulturen zu erfahren und somit Verständnis für Fremdes zu entwickeln. Denn wie sollte man sonst verstehen, was gemeint ist, wenn beispielsweise Jemeniten sagen „Mit zwei Esslöffeln Öl ist hier nicht gedient“ (zu Deutsch: „Glück muss der Mensch haben“).

Essigs Werk ist kein erzählendes Sachbuch, sondern eher ein Vorlesebuch, das immer mal wieder zum Lesen einzelner Geschichten reizt, um über sie nachzudenken oder Fragen zu stellen: Warum kommen in so vielen Ländern eigentlich Ziegen oder Esel vor? Weshalb überhaupt so viele Tiere? Konsequenterweise böte sich in einer interkulturellen Gesellschaft an, die Originalsprachen mit abzudrucken, um die Sprichwörter je nach Sprachkenntnis in einer Gruppe übersetzen und mit den vorliegenden Übersetzungen vergleichen zu lassen. Um aus der „Not eine Tugend zu machen“ wären Recherchen der Kinder in Bibliotheken oder im Internet sinnvoll. Die Fundstücke könnten dann auch nachgesprochen werden.