Auf dem Weg von der Schule nach Hause bleibt Toni gebannt vor dem Werbeplakat seines Fußballstars Renato Flash stehen. Dieser wirbt für eine neue Generation von Fußballschuhen. Sofort ist Toni klar „Dieser Schuh würde auch mein Spiel unwiderstehlich machen … Ich brauche neue Fußballschuhe!“.

Aber alle noch so geschickt gewählten Argumente überzeugen die Mutter nicht. „An diesem Abend wurde mir klar: Um manche Dinge musste ich mich in meinem Leben selber kümmern.“ Gedacht, getan! Am ersten Tag verteilt Toni Flyer, am nächsten macht er Straßenmusik und am Tag darauf führt er den Hund der Nachbarin aus. Schon bald wird ihm bewusst, dass Geldverdienen gar nicht so einfach ist. So mühevoll er es verdient hat, so schnell ist er es merkwürdigerweise wieder los. Aber unverdrossen ersinnt Toni neue Ideen … Spannend wird es, als Toni Geld findet und in einen Gewissenskonflikt gerät, ob er das Geld behält oder nicht. Bei all seinen Versuchen, Geld zu verdienen, findet er viel über sich selbst heraus und über das, was ihm wirklich wichtig ist. Und dann kommt Weihnachten …

Durch Eltern versagte Herzenswünsche kennt jedes Kind. Somit kann sich der Protagonist der Sympathie kindlicher Leser- bzw. Betrachter*innen sicher sein. Mitgefühl fordert besonders Tonis enttäuschende Erfahrung auf dem Flohmarkt heraus, wo er sein liebstes Auto verkauft, später zurückkaufen will, der Käufer aber nun den sechsfachen Preis verlangt.

Philip Waechter setzt Tonis Geldaktivitäten in eine unterhaltsame Graphic Novel um, wobei er jedes der sechs „Ideen“-Kapitel in einer eigenen, zurückhaltend wirkenden Pastellfarbe gestaltet. Toni – stets in rotem Pulli – dominiert farblich die klar aufgebauten Bildfolgen, sodass auch schon jüngere Kinder die jeweiligen Situationen nachvollziehen können. Auch wird durch Waechters minimalistisch klare Linienführung die Gefühlswelt der Figuren in Mimik und Gestik leicht nachempfindbar. Bemerkenswert sind dabei die im Profil deutlich hervortretenden Nasen, welche häufig nach oben oder unten weisen und damit die Blicke der Betrachter*innen bedeutungsvoll lenken. Rezeptionslenkend wirken auch die Sprech- und Gedankenblasen, worin einzelne Sätze und Wörter, z. T. auch Buchstaben, deutlich größer gesetzt sind und somit ermöglichen, deren Bedeutung intuitiv zu erfassen.

Als kreative Idee bietet es sich an, die von Waechter gewählten Comicelemente zu entdecken, um anschließend eigene Ideen zum Geldverdienen in Comicform zu gestalten. Denkbar wären auch gezeichnete Mutter-Kind-Dialoge analog zur Auseinandersetzung, die Toni anfangs mit seiner Mutter führt.

Jeanette Arndt / Antje Buckow