Beim vorliegenden Bilderbuch der preisgekrönten Autorin und Illustratorin Nadia Budde handelt es sich um eine (Ver)Sammlung ihrer „Tiere wie wir“. Die gleichnamige Kolumne erschien 2018 auf der Kinderseite Leo der Wochenzeitung DIE ZEIT. Zu den dort veröffentlichten Beiträgen enthält das Buch zusätzlich einige exklusive Zweizeiler, pardon, Zweiteiler. Das Konzept: Zwei mit klarem Strich und kräftigen Farben gestaltete Bilder und ein kommentierender, sich reimender Zweiteiler ergeben auf jeder Doppelseite eine kurze Geschichte. Man erfährt z. B. was passiert, wenn bei einer Eule eine Giraffe zu Gast ist, aus welchem Grund eine Biene ein schlechtes Gewissen hat oder was Spechten in der Schule beigebracht wird. Ein Beispiel: Auf dem Bild links ist ein Känguru-Kind gerade dabei, den Beutel der Mutter zu verlassen. Diese verlangt das offenbar von ihrem Kind, was man an ihrem genervten Blick und einer eindeutigen Handbewegung erkennen kann. Auf dem Bild rechts ist die Einkaufstasche der Känguru-Mutter prall gefüllt und es lugen zwei Ohren hervor: „Beutel leer – Tasche schwer“.

Wie gewohnt spiegeln Buddes Tiere menschliche Eigenheiten und Missgeschicke. Sie selbst sagt dazu: „ … tierische Schauspieler eignen sich hervorragend, wenn man etwas über Menschen erzählen möchte, denn Tiere dürfen alles … Man nimmt ihnen schlechte Laune, Eitelkeiten, Gemeinheiten und unsinnige Handlungen überhaupt nicht übel.“ Außerdem spielt die Künstlerin gern mit Worten, weil sich „Mit Reimen … so schön knapp erzählen“ lässt. Das zeigt sich z. B. wenn der Kuckuck einer bestimmten „Uhr“ mal „stur“ ist oder ein bügelnder Waschbär völlig erschöpft auf der Couch liegt: „Wäsche glatt – Waschbär platt.“ Nicht weniger komisch-schlüssig sind die Zweiteiler bei der Ente, die im Zugabteil sitzt, weil sie zu spät zum Abflug ihrer Artgenossen kommt oder Nacktschnecken auf einem abgeteilten Strand durch ein Loch in der Wand von anderen Schnecken voyeuristisch begutachtet werden. Illustriert ist „Krake beim Schneider“ im unverwechselbar humorvollen Budde-Stil, wobei sie laut Interview mit Filzstiften oder Pinsel und Tusche Schwarz auf Weiß vorzeichnet und hinterher am Computer die Figuren mit Farben ausfüllt. „Krake beim Schneider“ regt auf vielfältige Art zu kreativer Beschäftigung an, sei es zu Text-Bild-Zuordnungen, zum Reimen von Zweiteilern zu Illustrationen oder umgekehrt zum Bebildern von Zweiteilern …

Peter Semper