Mieke Scheiers fast textloses Bilderbuch „Passt nicht“ ist ein Sachbilderbuch der besonderen Art. Es präsentiert Seite für Seite thematisch geordnete Objekte, in denen jeweils ein Objekt nicht zu den anderen ”passt”. So zeigt die erste Seite Menschenköpfe aus verschiedenen Erdteilen, darunter ein Ball. Passt nicht! Oder doch? Auf der nächsten Seite sitzt der Ball auf dem Hals eines Menschen und gibt überdies sowohl farblich als auch inhaltlich das Thema der nächsten Doppelseite vor. „Kopfball“ verweist auf Sport und so sind neben händeschüttelnden Menschen Sportgegenstände abgebildet. Was passt denn hier nicht? Nicht einfach zu finden: der Lauch. Aber was könnte Lauch mit Sportobjekten zu tun haben? So wie das Runde des Balls mit den runden Kopfformen korrespondierte, korrespondiert nun die Form des Lauchs mit dessen Sportfunktion. Der Lauch wird zum Tennisschläger. Und das Folgethema? Natürlich Nahrungsmittel.

Scheier macht passend, was nicht passend scheint. Seite für Seite bildet sich so eine Kette, die scheinbar unpassende Objekte zu passenden macht, wobei witzige Nonsens-Situationen entstehen, da die unpassenden Objekte die Funktion der Dinge annehmen, zu denen sie scheinbar nicht gepasst haben. Bei wiederholtem Betrachten ist immer mehr zu entdecken. So gehören die Köpfe der ersten Suchseite zu Personen, die durch das gesamte Buch leiten.

Scheiers Vorgehen ist gleichermaßen unterhaltsam, anspruchsvoll und für kreative Aktionen überaus geeignet: Zum einen fordert es von kindlichen Betrachter*innen genaues Sehen und Benennen, denn die wohlgeordneten Suchbilder bieten eine Vielfalt von Dingen innerhalb einer Kategorie: Nahrungsmittel, Fahrzeuge, Hausvarianten … Dazu kommen Farb-, Form- und Wortspielentdeckungen. Hilfreich wirkt dabei die ästhetische Gestaltung. Zarte Farben und reduzierte Formen strahlen Ruhe aus, welche genaues Einsehen stützen, wobei die digital bearbeiteten Illustrationen von Drucktechniken wie Siebdruck oder Linoldruck inspiriert erscheinen. Zum zweiten greift Scheier den Spieltrieb von Kindern auf, die aus jedem Ding alles machen können. Daran anknüpfend ließe sich mit Kindern anhand der „unpassenden” Objekte assoziieren, wozu was dienlich wäre. Wie könnte man z. B. mit dem Lauch Sport treiben? Kreativ wären auch Zuordnungsspiele: Welche Person passt z. B. in welches Haus und warum? Verschiedene Auffassungen zu dieser Frage wären möglicherweise im Sinne von Scheiers Irritationsabsicht, die mit ihrem Buch auch die Frage provoziert: Was bedeutet eigentlich „Passt nicht” und wer bestimmt das?

(Der Rote Elefant 37, 2019)

Franziska Bauer / Red.