Cover: Michaël Escoffier, Grododo

Hase „Cäsar“ hat viel im Schlepptau: Glühbirne, Kleiderbügel, Waldhorn, Anker, Fernglas, Regenschirm nebst Klopapier und Teebeutel. Überdies Eis schleckend und auf Rollschuhen rast er in (s)eine Gute-Nacht-Geschichte: „TOCK TOCK TOCK. Crunch! Crunch! Crunch! Quiiiiiitsch! Quiiiiiitsch! Quiiiiiitsch!“ Doch verflixt – so einfach ist das mit dem Schlafen nicht. Das erprobte Zubettgehritual samt Pantoffelanordnung auf dem Teppich, Monsterüberprüfung unterm Bett, Augenschließen und auf beiden Ohren Einschlafen wird immer wieder jäh durch Vogel, Eichhorn und Maus unterbrochen. Energisch fordert der Hase seine Nachtruhe ein. Durch die Auseinandersetzung mit den Störenfrieden gerät jedoch alles noch mehr durcheinander: „Er stellt seine Pantoffeln in sein Glas Wasser, überprüft, dass sich kein Teddy in seinem Nachttisch versteckt, drückt seinen kleinen Teppich fest, ganz fest an sein Herz, schließt ein Ohr, dann das zweite und schläft auf beiden Augen ein.“ Nach diesem Chaos birgt das Ende einen wirklich lustigen Überraschungseffekt: Auch das gefürchtete Monster unterm Bett ist unberechenbar und verschont den müden Hasen nicht mit einer Forderung nach wohliger Nachtruhe: „Kannst Du mal leiser schnarchen? Ich will schlafen!“.

Das titelgebende „Grododo“ taucht nur einmal am Anfang auf und spielt mit dem französischen „gros dodo“, sinngemäß: „großes Schläfchen“ oder „in die Heia gehen“. Es kommt als in großen Lettern geschriebenes Wort aus einem Grammophonlautsprecher. Etwas rätselhaft verweist es in seiner grafischen Gestaltung bereits auf die späteren Lärmwörter „Tock, Crunch, Quitsch“ der Nachtruhestörer.

Im Schriftbild unterscheiden sich die im Präsens erzählte Geschichte, die in weißen Versalien gedruckten humorvollen Tier-Dialoge und der „Krach“ klar voneinander, wobei letzterer durch immer größer werdende Buchstaben wiederholter Worte besticht. Besonders absurd-komisch wirkt der vehemente Ausruf „RUHEEEE“ für die eingeforderte Stille. Auch die mit Filzstift und in Collagetechnik auf groben Karton aufgetragenen Bilder verfügen über viel Witz. So etwa, wenn der Hase einen Wecker an einer Angel hochhält, um den lärmenden Vogel im Baum auf die nächtliche Uhrzeit hinzuweisen, oder die Betrachter originelle Details im liebevoll eingerichteten Zuhause des Hasen entdecken können, überschrieben „Home sweet home“. „Grododo“ ist ein Buch, das beim Vorlesen große Freude bereitet und die jungen Zuhörer*innen vor dem Einschlafen ordentlich zum Lachen bringt. Unverzichtbar der Wunsch „nochmal Vorlesen“ und dann bitte: LAUTER!

Annette Wostrak