Cover: Marjolijn Hof, Mein Opa und ich und ein Schwein namens Oma

Ist es nicht ungehörig, ein Schwein Oma zu nennen? – Nicht in diesem Buch der vielfach preisgekrönten holländischen Autorin, das in zwölf teils absurden Alltagsgeschichten eine humorvoll-innige Beziehung zwischen Opa, Enkelin und eben diesem Schwein spiegelt. Ich-Erzählerin ist ein namentlich nicht benanntes, etwa neunjähriges pfiffiges Mädchen, das regelmäßig Zeit bei seinem kauzig-netten Opa in einem kleinen Haus auf dem Land verbringt. Ihr Zusammensein füllen die Beiden neben Ritualen wie Pfannkuchen backen, Kakao trinken, Gänse(würfel)spiel oder Wettspringen über einen Wassergraben mit vielen (weiteren) selbst erdachten Spielen und Wettkämpfen aus. Mal suhlen sie bei größter Hitze mit Oma im Schlamm, mal geht es um Punkte bei Aprilscherzen oder es gibt einen Tag der Höflichkeiten für alle benutzten Sachen. Ein anderes Mal ersinnt die Enkelin Heldentaten für den Opa, um ihm zu einer ersten Medaille zu verhelfen oder Opa muss sich tot stellen, damit die Enkelin vorzeitig den ihr zugedachten Schatz heben darf.

Wunderbar übersetzt, dialogreich und locker erzählt, sind die Episoden jedoch nicht allein unterhaltsam. Vielmehr steckt in Erzählweise und Subtext viel Hintersinn. So deutet die Verwendung des Präteritums auf einen schon größeren Abstand zum Erzählten hin. Zudem schwingt in der nur scheinbar unbekümmerten Perspektive des Mädchens die ein bisschen melancholische des Opas immer mit. Noch während beide füreinander da sind, ist ihnen bewusst, dass ihre gemeinsame Zeit einmal endet. Durchs Erzählen aber reflektiert und hält das Mädchen (einst) glückliche Lebensmomente fest.

Auf dem farbigen Cover sind die Protagonisten in für sich sprechenden Porträts eingefangen; Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Vignetten im Buch setzen Unternehmungen witzig um. Würde man die Bilder großkopiert aneinanderreihen, ließe sich schon vorab erahnen, was für eine vergnügliche, zum Spielen und Nachdenken inspirierende Lektüre Kinder und Erwachsene erwartet.

Edda Eska