Cover: Kristina Gehrmann, Im Eisland

Im Mai 1845 brachen die englischen Schiffe „Erebus“ und „Terror“ in die Arktis auf. Ziel der unter dem Kommando von Sir John Franklin stehenden Expedition war die erstmalige Durchquerung der Nordwestpassage im Polarmeer. Die ambitionierte Reise verlief tragisch und endete für die 133 Besatzungsmitglieder tödlich. Im 1. Band deutet der Tod des ersten Besatzungsmitglieds dies bereits an. Die zwischenzeitlich erschienenen Folgebände „Gefangen“ und „Verschollen“ erzählen vom weiteren Verlauf der Expedition und deren bitterem Ende. Auch erfährt der Leser etwas über Suchexpeditionen und jahrzehntelange Nachforschungen bis hin zur Entdeckung des Wracks der „Erebus“ im Jahr 2014.

Die Illustratorin Kristina Gehrmann gestaltet die abenteuerliche Expedition als Schwarz-Weiß-Graphic-Novel. Angesichts des heute bekannten tragischen Verlaufs bilden arktische Landschaft und Polarmeer nur den schemenhaften, graugetönten Hintergrund. Gehrmanns Fokus richtet sich auf die Menschen. Detail- und kontrastreich bebildert sie Arbeit und Alltag an Bord und verfolgt dabei einfühlsam die Schicksale einzelner Besatzungsmitglieder – vom Schiffsjungen bis zum Kapitän – samt deren sozialer Herkunft. Betrachtet man die Ausstattung der Schiffe und ihre Ladung, vermittelt sich, dass im Vorfeld die arktischen Bedingungen völlig falsch eingeschätzt wurden, z. B. befand sich an Bord eine Bibliothek mit 1.200 Bänden! Die Textpassagen bringen Ruhe ins turbulent illustrative Geschehen und konzentrieren auf die Handlung. Jede Textsorte besitzt eine eigene graphische Form. Sprechblasen für Dialoge und Rechtecke für Franklins Aufzeichnungen sind innerhalb der Illustrationen, Erzählerkommentare außerhalb platziert. Grundsätzlich sind im 1. Band der Glaube an die Errungenschaften der Technik und die erfolgreiche Entdeckung einer neuen Reiseroute seitens der Besatzung (noch) nicht erschüttert. Das ändert sich nach dem Begräbnis des ersten Toten.

Kristina Gehrmann wertete viele Quellen aus und arbeitete diese Informationen kongenial in Bilder und Texte ein. Im Anhang finden sich Anmerkungen, ein Auszug aus einem Originalbrief, Schiffszeichnungen sowie ein Literaturverzeichnis. Der aufklappbare Vorsatz birgt geographische Karten zur damals bekannten Arktis und zur Expeditionsroute. Aufgrund des vielfältig vermittelten Sachwissens wurde „Im Eisland“ für den DJLP 2016, Sparte Sachbuch, nominiert. Gleichzeitig wirkt die Graphic Novel als Abenteurerzählung, womit Sachbuch- und Spannungsleser gleichermaßen angesprochen sind.

Antje Buckow