Cover: Dolf Verroen, Krieg und Freundschaft

Auch 70 Jahre nach seinem Ende ist der Zweite Weltkrieg immer noch Thema in den Medien für Erwachsene und für Kinder. Zu Recht. Denn dieser brutale Bruch mit allen Vorstellungen von Zivilisation und Menschlichkeit darf zum einen nicht vergessen werden, zum anderen schuf er Situationen, die zu Paradigmen wurden – sowohl für verbrecherisches Handeln als auch für den Widerstand dagegen.

Der renommierte Autor Dolf Verroen, Jahrgang 1928 und somit Zeitzeuge, verarbeitete in vorliegender Erzählung von „Krieg und Freundschaft“ vermutlich eigene Erinnerungen. Die Geschichte spielt zur Zeit der deutschen Besetzung der Niederlande. Der etwa 12-jährige Ich-Erzähler Joop ist mit Lebensmittelrationierung, Bombenangriffen und Schulausfall konfrontiert. Eine jüdische Klassenkameradin muss die Schule verlassen und sechs Bewohner des Ortes werden nach dem Attentat auf einen deutschen Offizier erschossen. Die Eltern seines besten Freundes Kees, mit dem er Blutsbrüderschaft geschlossen hat, sind Sympathisanten der niederländischen Faschisten, seine eigenen Eltern jedoch verstecken einen Widerstandskämpfer. Dann ist der Krieg zu Ende: Oranje-Flaggen werden gehisst, Kollaborateure von der wütenden Menge verprügelt oder kahlgeschoren, wenn es sich um Frauen handelt. Joop sieht das alles.

Der Autor erzählt seine leise, jedes Pathos vermeidende Geschichte in einer Folge kurzer ausdrucksstarker Szenen, die Personen charakterisieren oder einzelne Ereignisse beispielhaft herausstellen. Die Sprache ist knapp, verdichtet Geschehen und Atmosphäre. So endet die Szene, in der sich Joops Eltern entschließen, einen Flüchtling zu verstecken, lapidar mit zwei kurzen Sätzen: „Es war echt Krieg. Eine ganze Stube voll.“

Die schwarz-weißen Tuschzeichnungen der Illustratorin sind zurückhaltend, fast filigran, eher Andeutungen als realistische Bilder und korrespondieren mit dem Erzählstil. Der Ernst des Erzählten geht dabei nicht verloren und vermittelt jungen Lesern eine Ahnung davon, wie im Namen des Deutschen Reiches mit Nachbarvölkern umgegangen wurde.

Rudolf Wenzel