Cover: Karsten Teich, "Suchst Du Streit?"

An wen richtet sich dieses drohende „Suchst Du Streit?“? Mut zusammennehmen, Buch aufschlagen! Aha, karierter Vorsatz und wirbelnde Hüte gegenüber dem Titelblatt lassen einen Cowboy vermuten. Richtig: Schon wenig später stiefelt ein solcher auf den Betrachter zu: krumme Beine, Cowboyhut, die Hände lässig an den Hüften, Revolver griffbereit. Und provoziert wieder: „Warum glotzt du so?“. Der Typ meint es offenbar ernst und ist auf Krawall gebürstet. Aber warum? Er will kein Buch sein, das man anglotzt, sondern ein Cowboy. Jetzt ist klar, wer den Cowboy mit seinen Entgegnungen aus dem Off so aufgebracht hat: Der Betrachter und Leser selbst! Da dieser dem Maulhelden sofort kontra gab, schreckt ihn nun auch nicht dessen lächerliche Bananenpistole und die Drohung des Wegpustens. Von Angebern lässt man sich am besten gar nicht beeindrucken, sondern handelt, indem man den Angreifer auf den Mond schießt. „Na toll!“ kommentiert der papierene Held.

Karsten Teich treibt ein doppelt-ironisches Spiel. Er spielt mit dem Westerngenre und dem Leser und Betrachter, weiß dieser doch anfangs nicht, dass er selbst „mitspielt“. Diese Spannung macht den Reiz des originellen Bilderbuches aus, das auch mit seinem Format der Großspurigkeit des Möchte-Gerne-Helden entspricht. Teich stattet diesen mit bekannten Requisiten aus und lässt ihn von Seite zu Seite filmisch bedrohlich näher kommen, gleich einem Strichmännchen am Horizont, das letztlich als Großaufnahme die Leinwand füllt. Typographie und Textgröße lassen die Lautstärke ahnen, mit der dieser Cowboy beeindrucken möchte. Durch dessen groteske Überzeichnung wird schon vor dem Drehpunkt in der Geschichte durch den Illustrationsstil klar, was das für einer ist. In der Gesamtkonzeption wendet sich das Blatt, genauer die Seitenzuordnung, wenn der Leser/Betrachter zum Gegenangriff übergeht. Waren bisher stets rechts der immer wütender werdende Cowboy im Bild und links die Antworten des widerständigen Unbekannten, so strampelt nun der hilflose Cowboy links und die im Text ausgedrückte Pusterei: „1, 2, 3, pfffffff!!!“  rechts. Bis der wirbelnde Maulheld auf dem Mond sitzt, dauert es einige turbulent gestaltete, gelbunterlegte Doppelseiten. Teichs Westernparodie adaptiert eine Kindern alltäglich begegnende Anmach-Situation. Direkte Leseransprache, dialogischer Aufbau und überraschender Perspektivwechsel bieten einen spielerisch-„unpädagogischen“ Einstieg ins Thema „Konfliktlösung und Kommunikation“. Der reduzierte Text lädt gerade Leseanfänger zum Selberlesen ein.

Christine Dreesen