Cover: Jutta Richter, Otto war nicht begeistert

Otto muss ins Ferienlager. Noch mal die Nase geschnaubt, den neuen Ball eingepackt und los geht’s. Otto ist nicht begeistert. Und nichts, was das Ferienlager zu bieten hat, kann seine Begeisterung wecken: weder die allseits beliebte Frau Felgenkranz, noch Sandburgen am Strand. Auch nicht das gesunde Essen und schon gar nicht die Lektion im Teilen lernen. Erst als Otto in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt – angefangen mit einer Verletzung bis zum Titel „Torschützenkönig“ – ist er begeistert. Doch dann ist die Zeit schon um, das Ferienlager zu Ende – und Ottos Begeisterung dahin.

Otto ist eines dieser Kinder, denen man in bestimmten Situationen nichts recht machen kann. Oder hat er nur andere Vorstellungen von tollen Sommertagen, als die anderen Kinder? Oder benötigt er einfach mehr Zeit, um sich an eine neue Situation zu gewöhnen?

Jutta Richters Geschichte bietet all diese Erklärungsmöglichkeiten für Ottos Begeisterungsresistenz. Dabei ist es einerseits das Heimweh, das Otto plagt. Andererseits kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Otto ein etwas verwöhnter Junge ist, der sich nur wohlfühlt, wenn er genügend Aufmerksamkeit erhält. Wenn es dann endlich doch schön ist, ist es vorbei – das kennen nicht nur Kinder …

Richters klar strukturierter Text lädt dazu ein, die fehlende Begeisterung wie ein Mantra zu wiederholen, da fast jeder Textblock mit dem Buchtitel endet. So wird man in Ottos Leiden hinein versetzt, was durch die Illustrationen noch verstärkt wird. Jacky Gleichs plakativ gestaltete und in gedeckten Farben gehaltene Doppelseiten in Tusche und Acryl unterstreichen Ottos Situation wunderbar und augenzwinkernd: sei es die überdimensionierte Frau Felgenkranz, der düstere Schlafsaal samt schnarchender Gerlinde oder der glubschaugige Fisch, der als gesundes Essen serviert wird. Der Rezensent leidet mit Otto – und ist begeistert.

Die Beschäftigung mit dem Buch könnte mit der Frage nach dem schlimmsten Ferienerlebnis der Kinder eingeleitet werden, um dann anhand von Ottos Ferien die schönen Seiten des Sommers zu beleuchten.

Frank Kurt Schulz