Der Hund mit dem gelben Herzen
oder Die Geschichte vom Gegenteil
112 Seiten
ab 10 Jahren
€ 8,00

Am Anfang war das Wort, am Anfang war der Name Lobkowitz. G. Ott gab seinem Weggefährten durch die Finsternis diesen Namen, so wie er alle seine Schöpfungen benannte. Den Hund z. B. hieß er „Hund“, dieser Name passte „Hund“ so angegossen wie sein Fell. Nur mit der Schöpfung des Menschen hatte Asket G. Ott Probleme, und so ließ er sich die Schöpferhand von Lobkowitz führen, von Lobkowitz, dem Suffkopp, dem Erfinder der Gegenteile, der Farben, der Lebendigkeit. Lobkowitz‘ „Abbilder“ hielten jedoch G. Otts Kritik nicht stand, Selbstkritik war nicht G. Otts Sache, und so suchte G. Ott einen Schuldigen. Lobkowitz flog aus dem gemeinsam gestalteten (paradiesischen) Garten und darf erst wieder hinein, wenn er die Menschen verbessert hat. Das Ergebnis: Lobkowitz irrt saufend durch die Welt, weiß nicht, wo er hingehört, sucht die Gartentür bis heute …

Schon wieder ein Buch von allem Anfang an, aber nicht mit so einem genialen Gott, der alles fix allein macht, sondern von einem, der lange tüftelt und Widerspruch im dialektischen Sinne braucht. Und ein Buch von einem geschichtenerzählenden „Hund“, der wie Lobkowitz nicht weiß, wo er hingehört. Weil nur Kinder wirklich barmherzig sein können, findet wenigstens „Hund“ in der Rahmenhandlung bei Lotta und Prinz Neumann eine offene Tür. Ihnen erzählt er Geschichten von Gott und der Welt und natürlich von Lobkowitz. Dafür darf er bleiben, wird gestreichelt und bekommt knusprige Hähnchenhaut und zum Zeichen des Zuhauseseins ein Halsband mit gelbem Herzen. Mit der Besserung des Menschengeschlechts wird es wohl noch dauern, aber Lotta, Prinz Neumann und „Hund“ fangen schon mal damit an, Lobkowitz und verschwundene Türen zu suchen …

Jutta Richters vielschichtige, anspielungs- und spannungsreiche Gedanken über Gott und die unvollkommene Welt wirken wie der Vorwand für eine ganz andere Geschichte, eine über die Einsamkeit, eine von der Erkenntnis, dass man nur dort zu Hause ist, wo man geliebt wird und von der lebenslangen Suche nach diesem Ort, sicherheitshalber mit Taschenflasche …

Zur Einstimmung auf eine der Textebenen könnte ein fast verdunkelter Raum mit leiser, etwas wehmütiger Musik dienen. Die Zuhörer werden gebeten, die Augen zu schließen und sich eine leere Welt vorzustellen. Mit Hilfe des entsprechenden, leise erzählten Textes, der diese Öde beschreibt, kommen die Kinder schließlich vor eine verschlossene Tür. Wie sieht diese Tür aus? Die Kinder malen ihre Türen und befestigen sie als kleine Ausstellung auf einer Pinnwand. Wie kann man eine verschlossene Tür öffnen? Wie kann man verschwundene Türen, die es angeblich gibt, wiederfinden?