„Ich habe über das Wetter nachgedacht, über den Wind, die Wolken und was sonst zwischen Himmel und Erde vorgeht. Um mir das alles vorzustellen, muss ich es in Gedanken klein werden lassen … Gibt es Menschen, die sich das Große vorstellen können, ohne es zu verkleinern?“ Das ist eine schwierige Frage, vermutet der kleine Philosoph. Er hat viele Fragen. Ist die Sprache falsch, wenn man lügt? Wo ist etwas, das noch fehlt? Alle Zweifel und Erkenntnisse über kleine und große Dinge entstehen im regen Gedankenaustausch mit seiner Familie: einer nervigen Schwester, die trotz allem die Welt vollständiger macht, einem Vater mit langen Antworten und einer Mutter mit Sehnsucht. Dabei deckt er Geheimnisse des Alltags auf, z. B. den selbstverständlichen Umgang mit Sprache. „Die Wörter passen zu den Dingen. Und zwar so gut, dass man meistens gar nichtdarüber nachdenkt.“ Auch Geburt und Tod spürt er nach. Die kindlich-naive Perspektive ist in Schubigers sensibler Erzählung eine wichtige Voraussetzung für die Wahrnehmung von ungewöhnlichen Fragen und Antworten.

Die Erkenntnisse des kindlichen Philosophen fordern dank der hintergründigen Sprachspielereien dazu auf, Neugier zu bewahren, weiter zu fragen, ohne fertige Antworten zu erwarten. Sprache ist ebenso Inhalt des Philosophierens wie Mittel zum Zweck. Sehr treffend unterstützen dies die Buntstiftillustrationen, welche Überdachtes in surrealistische Bilder übersetzen.

Eine Kunstausstellung mit vergrößerten Farbkopien der Illustrationen könnte den Einstieg in eine „Philosophierunde“ bieten. Bei einem Rundgang notiert sich jeder Themen, Sprichwörter oder Fragen, die ihm zu den Bildern einfallen. Aus dem eigenen Stichwortkatalog wählen die Kinder einen Aspekt aus, den sie in einem surrealistischen Bild darstellen. In der Präsentation raten die anderen das Thema.

Silke Fokken