„Schaut man genau, dann ist was los, dann ist das Kleine schön und groß.“ Der 2003 verstorbene Josef Guggenmos, Autor zahlreicher Gedichte und Geschichten für Kinder, war bestrebt, dem scheinbar Unscheinbaren ganz nahe zu kommen. So werden seine Leser mit Vorliebe in die Natur entführt, wird die Aufmerksamkeit auf allerlei Pflanzen und Getier gelenkt, auf Wunderwerke wie Spinnennetz und Schneekristall. Augenblicke, Stimmungen scheinen eingefangen und lyrisch festgehalten: „Die Donner nahen./ Pappelblätter, zigtausend,/ blättern aufgeregt.“ So manch flüchtige Begebenheit wird vergnüglich beschrieben, es finden sich Rätsel, Sprachspielereien, Mitmach-Gedichte und immer sind die Neugier und das Erstaunen zu spüren, mit denen Guggenmos die Welt sah. Auch Lust und Last des Schreibens kommen darin vor. Fast 300 Gedichte hat Hans-Joachim Gelberg für vorliegende Sammlung ausgewählt. Neben Bekanntem finden sich auch Haiku, eine lyrische Form, die Guggenmos erst spät für sich entdeckte.

Begleitet werden die Gedichte von rund 150 Illustrationen der Hamburger Künstlerin Sabine Friedrichson. Wie Guggenmos liebt sie die stillen Geheimnisse und Geschichten der kleinen Dinge. Für diesen Band hat sie zahlreiche persönliche Gegenstände und Fundstücke in Originalgröße gezeichnet, historische Vorlagen bearbeitet und Collagen gefertigt. Ihre Bilder laden ein zum Innehalten und genauen Betrachten. Die federleichten Samenschirmchen der Pusteblume scheinen gerade erst auf der Buchseite gelandet zu sein, Schatten werfende Objekte wirken zum Greifen nah.

Im Zusammenspiel von Gedichten, Illustrationen und Typographie wird dieses Buch zu einem Schatz. Ihn zu heben heißt, mit vielen, sehr verschiedenen Kostbarkeiten beschenkt zu werden. Nicht umsonst wurde das Buch von der Stiftung Buchkunst zu einem der schönsten Bücher 2006 gekürt. Wieder und wieder aufgeschlagen findet sich stets Unerwartetes und Neues – für Kinder, Eltern, Großeltern …

Das Geheimnis, die Geschichte eines Gegenstandes zu ergründen, kann Ansatzpunkt für eine Veranstaltung sein. Mit verbundenen Augen ertasten die Kinder je einen Gegenstand aus dem Buch (Muschel, Schneckenhaus, Apfel, Schlüssel etc.) und beschreiben ihn für die anderen ohne seinen Namen zu nennen. Wie fühlt er sich an, woher kommt er, wie kam er hierher?

(Der Rote Elefant 25, 2007)

Kathrin Buchmann