Das 1942 auf Englisch unter dem Titel „A Gang of Ten“ erschienene Buch war für die Thomas-Mann-Tochter neben zahlreichen anderen Exil-Aktivitäten ein Beitrag zum Kampf gegen den deutschen Faschismus und den vom Dritten Reich ausgelösten Zweiten Weltkrieg. Es ist ein als Kinderbuch getarnter Appell an die Weltöffentlichkeit, die NS-Aggression endlich zu stoppen. Inhaltlich ist das Buch gleichermaßen Milieustudie einer amerikanischen Kleinstadt, Agententhriller und Detektivgeschichte. Erzählt wird die Geschichte rückblickend aus der Ich-Perspektive einer Lokalreporterin, die in Kontakt mit Kindern einer Schule mit dem symbolischen Namen „Neue Welt“ steht. An diesem z. T. von Kindern selbstverwalteten Ort leben und lernen neben amerikanischen Arbeiterkindern auch Flüchtlingskinder aus von Deutschland besetzten Ländern. Zehn davon bilden eine Gruppe, die gegen die Nazis, den „Feind der ganzen Welt“, mit Aufrufen, Rohstoff- und Geldsammlungen kämpfen will. Dabei geraten die Kinder auf die Spur von Saboteuren, darunter Mr. X. Die Saboteure planen in deutschem Auftrag Anschläge auf ein neu entwickeltes Schnellboot, das auf die Bekämpfung deutscher U-Boote spezialisiert ist, und auf eine Flugzeugfabrik. In einem spektakulären Show-down werden Mr. X & Co enttarnt bzw. deren Absichten durchkreuzt. Der US-Präsident gratuliert und die Erzählerin heiratet den Chefredakteur.

Warum sollten Kinder bzw. Jugendliche heute dieses über 70 Jahre alte Buch lesen? Weil es nicht nur eine spannende fiktionale Erzählung über Kinder enthält, die sich in einer international gemischten Gruppe aktiv für den Frieden engagieren, sondern weil neben den Spannungselementen historische Realität den Text bestimmt. Etwa, wenn die geflüchteten Kinder von deutschen Kriegsverbrechen wie der vollständigen Zerstörung von Rotterdam oder dem U-Boot-Krieg gegen zivile Schiffe erzählen. Außerdem ist der Text in der neuen Übersetzung keinesfalls verstaubt. Rasante Erzählpassagen und witzig- hintergründige Dialoge ermöglichen ein hohes Lesetempo. Die Geschichte des Buches könnte ältere Kinder als Teil wechselvoller deutscher Geschichte, auch Exil- und Wende-Geschichte, interessieren (s. Nachwort). Gut, dass Erika Mann nicht mehr hören muss, wie ein deutscher Politiker heute die Nazi-Zeit als „Fliegenschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnen darf. Dass die USA nach 1945 bereits kein Garant mehr für „freedom and democracy“ war, musste Erika Mann schon damals schmerzlich erfahren. Ihre Hoffnung von „Vereinten Kindern“ in einer „Neuen Welt“ blieb angesichts des heute zahnlosen Tigers UNO ebenfalls Utopie. Freuen würde sie immerhin „Fridays for Future“.

Rudolf Wenzel