Cover: Carlo Collodi, Pipi, der kleine rosarote Affe

Pipi fällt mit seinem rosaroten Fell aus der Art. Sonst ist der kleine Affe ganz normal: frech, verfressen, draufgängerisch, was z. B. dazu führt, dass ihm ein altes Krokodil den Schwanz abbeißt. Pipis Lieblingsbeschäftigung ist Nachäffen. Um „Rauchen“ nachzuäffen, klaut er einem Räuberhauptmann dessen „rauchendes Holz“, Auftakt zu einer Reihe von Abenteuern: Der Bestohlene verschleppt ihn in einem Sack. Pipi flieht mit Hilfe zweier Tiere. Ein junger Herr namens Alfred macht ihn zum livrierten Diener und will ihn auf eine Reise mitnehmen. Pipi flieht erneut, um vorher zu Hause vorbeizuschauen. Unterwegs trifft er auf kriegerische Affengruppen, die ihn zum Kaiser ausrufen. Da Pipi dort nichts zu essen kriegt und auf Dornen schlafen muss, haut er wieder ab. Es passiert noch einiges bis Pipi mit Alfred, dem menschgewordenen Pinocchio, wie Collodi im Anhang verrät, abreist, womit alles gut endet.

Kinderbuchautor Carlo Collodi (1826 – 1890), der keiner sein wollte, begann Pipis Geschichte unmittelbar nach Beendigung des viel berühmteren „Pinocchio“. Intertextuelle Bezüge im Handlungsaufbau und Figurenähnlichkeiten sind unübersehbar. Auch hier zieht eine gute Fee die Fäden, wobei sie nur kurz als türkisblaues Kaninchen durch die Handlung hoppelt. Der „Pinocchio“ selbst steht in Alfreds Bücherschrank und Alfred liest Pipi daraus vor. Dieser ist begeistert. So begeistert wie einst Allessandro Gallenzi, gebürtiger Italiener, heute Londoner Verleger. Als Pinocchio-Fan suchte er laut Anhang nach „Pipi“, um ihn dem Vergessen zu entreißen und heutige Kinder mit ihm zu begeistern. Dabei war er sich der Verantwortung bewusst: „Sein (Collodis) Stil ist unverwechselbar: eine Mischung aus Umgangssprache, Einfallsreichtum, Verspieltheit und Unheimlichkeit, gepaart mit viel Humor“. Da „Pipi“ etwas unvollständig wirkte, ergänzte Gallenzi einige Passagen und bearbeitete den Text, was diesem nicht anzumerken ist. Dass er den neuen Text auf Englisch und nicht in der Mutter- und Originalsprache Italienisch schrieb, erleichterte ihm möglicherweise den Umgang mit dem „Denkmal“ Collodi. Der von Alexandra Ernst aus dem Englischen übersetzte Text liest sich sprachlich schnörkellos und modern. Dennoch biedert er sich nicht heutiger Kindersprache an und behält sein klassisches Flair. Einen zusätzlichen Gewinn bietet der Anhang, insbesondere Collodis „Brief an die Kinder“ von 1885, worin er in einem humorvoll-fiktiven Dialog mit Pipi dessen Genese und die des Pinocchio erflunkert. Ein wunderbarer Einstieg für eine Buchvorstellung.

Claudia Rouvel