Cover: Britta Teckentrup, Alle Wetter

„Das Wetter kann uns fröhlich oder traurig machen, und es bestimmt auch die praktischen Dinge unseres Lebens: unsere Kleidung, unsere Speisekarte, unser Ausgehverhalten“, schreibt Britta Teckentrup im Vorwort zu „Alle Wetter“. Sie wollte mit diesem Buch – so die Berliner Illustratorin und Autorin in einem Interview – Stimmungen und Gefühle wiedergeben, die in ihrer Kindheit vom Wetter bestimmt waren. Und so ziehen zuerst die ein- bzw. doppelseitigen Bilder den Betrachter in ihren Bann. Monotypien bringen Wettererscheinungen wie Regen und Wolken als Strukturen und Formen zu Papier. Teckentrup arbeitet mit der Totalen, verwendet nur wenige, wiederkehrende Motive wie Menschen, Vögel, Häuser, Bäume und Strommasten. Details wie Schirme und Kleidung setzen farbige Akzente in die zumeist monochromen Landschaften.

Dass Teckentrup das alleinstehende Haus, den einsamen Wanderer oder den vereinzelten Baum wählt, lässt die Natur existentieller und damit die Emotion, welche im Betrachter ausgelöst wird, stärker erscheinen. Eine Wirkung, für die sich Teckentrup von großen (Landschafts)Malern von der Renaissance bis heute inspirieren ließ. Ihre Texte erinnern an die Poesie der Romantik. Der Wanderer „wird staunend die Größe der Natur empfinden, wenn der Regen sich entfernt und ein strahlender Vollmond in völlig klarer Luft Wolken, Meer und Land beleuchtet …“. Neben den sinnlich-emotionalen Elementen bietet das Buch eine Vielzahl wissenschaftlicher, verständlich formulierter Informationen über Inversionslagen, Wolkenarten, Schneestrukturen u. v. m. Verwendete Begriffe sind zur Orientierung in einem Register aufgeführt. Themengebend für die vier Kapitel des Buches sind verschiedene Wetterlagen. Mit „Eitel Sonnenschein“ und „Regen bringt Segen“ greift Teckentrup bei den Kapitelüberschriften auf bekannte Redensarten zurück. Diese wie auch althergebrachte Bauernregeln werden in den weiteren Ausführungen auf ihre meteorologischen Erklärungen hin überprüft. So erfährt der Leser z. B., dass Unwetter genau genommen nicht das Gegenteil von Wetter, sondern die Gleichzeitigkeit von Sturm, Donner, Blitz, Regen etc., eben „Alle Wetter“ ist. Und da auf Unwetter meist eitel Sonnenschein folgt, schließt sich der Kreis zum Anfangskapitel. „Alle Wetter“ (DJLP-Nominierung 2016) wendet sich an alle Altersgruppen. Ob man es ganz liest, darin blättert und die Bilder genießt oder sich in einzelne Seiten vertieft, den Leser erwarten immer neue und andere Entdeckungen.

Als Einstieg in eine Veranstaltung könnten Wörter wie z. B. Bericht, Hahn, April, Sau … verteilt werden. Gibt es ein Wort, das mit allen diesen Begriffen verbunden werden kann? Ist das Wort gefunden, können alle übers Wetter reden!

Anja Krauß