Gleich zu Beginn die Kritik, dann das Lob. Die bekannte Redewendung „Geh dahin, wo der Pfeffer wächst!“ meint natürlich: ganz weit weg, mir aus den Augen! Der Rückenntext verweist auf diese Wendung, um auf den werbewirksamen Buchtitel und das Frageprinzip des Buches überzuleiten. Er führt aber auf eine falsche Fährte. Nicht Redewendungen werden hinterfragt, sondern Sachverhalte, wie z. B.: Warum halten Bären Winterschlaf? Warum haben Schnecken ein Haus? Warum ist Meerwasser salzig? Zu jeder der sieben Fragen gehören zwei Doppelseiten. Die erste Doppelseite bietet Quatschantworten in Text und Bild. Die zweite Doppelseite zeigt links ein dominant-selbstbewusstes Kind, das den fantasievollen Quatsch demonstrativ verneint und auf gegenüberliegender Seite auf kariertem (Schul)Papier knapp formuliert richtig stellt. Die „richtige“ Text-Antwort umranden wiederum kleine Bildquadrate. Damit wird das Buch seinem Anspruch als Bilder-Buch doppelt gerecht. Sowohl Kinder im Vorschul- als auch im Erstlesealter können die Fragen beantworten: bildbeschreibend oder lesend oder beides. Das Prinzip der gestalterischen Wiederholung von zwei Doppelseiten zu einer Frage hat Vorteile, ästhetische, lerntheoretische, rezeptionspsychologische.

Die farblich auf die jeweilige Frage abgestimmten malerischen Doppelseiten sind der freien Fantasie gewidmet, das identifikationsstiftende, lernmotivierende Schlaubergerkind besetzt eine ganze Seite und die Wissensvermittlung fügt sich aus Teilen zusammen, so wie lebenslanges Lernen tatsächlich passiert, Stück für Stück. Umgeblättert wird jedenfalls erst, wenn alle kreatien Antwort-Möglichkeiten ausgereizt sind. Das erhöht die Spannung. Für Einzelkinder oder Gruppenaktionen eignet sich dieses witzige Bilderbuch mit seinen liebevoll karikierten rundköpfigen, knopfäugigen und großmäuligen Kinderfiguren gleichermaßen. Bei Schulkindern werden über die Fragen sieben Forschergruppen gebildet. Diese können entsprechend dem Buchprinzip die Fragen zuerst kreativ-verbal-malerisch und dann mithilfe weiterer Sachbücher beantworten. Fertig ist die Bibliothekseinführung!

Kleine Kinder malen entsprechend der ersten Doppelseite Bilder zu jeweils einer Frage. Die Antwortbilder auf der zweiten Doppelseite werden dann Stück für Stück gemeinsam erzählend entschlüsselt. Ästhetische Bildung nebst Wissensvermittlung nebst Leseförderung über Sprechanlässe. Und vor allem mit viel Spaß!

(Der Rote Elefant 23, 2005)

Claudia Rouvel