Cover: Antje Damm; Clara und Bruno

Clara liebt Bruno. Bruno liebt Clara. Bruno ist Claras Hund. Gemeinsam wohnen sie in einem kleinen Haus am Meer, teilen das Leben. Beim Strandspaziergang. Beim Einkauf. Im Winter und im Frühling. Im Herbst. Nun ist Bruno alt. Er stirbt. Clara muss Abschied nehmen.

Das Vorsatzblatt zeigt die Tapete von Claras Wohnzimmer mit Bildern vom kleinen Bruno. Auf dem Nachsatz sind Bilder hinzugekommen – Erinnerungsbilder an Bruno. Schon hier deutet sich an: Abschied gehört zur Liebe, zum Leben. Clara liebt das Leben. „Und die vielen Erinnerungen an Bruno.“

Zwischen Vor- und Nachsatz wird von Clara und Bruno erzählt, von dem was sie gemeinsam lieb(t)en und jeder für sich. Der erste Satz auf jeder Seite – bis auf die letzte – lautet: „Clara liebt Bruno.“ Und auf der Frühlings-Seite heißt es weiter: Clara liebt Gartenzeit. Kohlköpfe mit Stangenlauch.“ Bruno dagegen „… Löcher. Tiefe Löcher. Große Löcher.“ Schon im Frühling will Bruno nicht mehr raus, aber: „Bruno liebt Clara. Also geht er mit.“ Die Leser*innen ahnen im Voraus, was geschehen wird. Im Herbst weiß Clara, was zu tun ist: „Ein letztes Loch für Bruno. Bruno liebte Löcher.“

Antje Damm erzählt objektiv, wechselseitig an Claras oder Brunos Perspektive gebunden. Sie verknappt die Sätze zum Teil so stark, dass sie nur aus einem Wort bestehen. Wie Stichwortgeber eröffnen sie Denk-Räume. Die ausdrucksvollen, naiv anmutenden Zeichnungen, klare, schwarzumzeichnete Formen, flächig ausgemalt mit akzentuiert eingesetzten Farben und Mustern, geben Anregungen zum Füllen dieser Räume. Stimmungen und Zustände der Figuren werden nachvollziehbar. Durch meist milde Farbtöne entsteht eine sanfte, heitere Atmosphäre. Doch plötzlich ist der breite Boden vor dem Haus tiefschwarz. Geöffnete, volle Futterdosen heben sich deutlich ab. Dann sieht man Claras Gesicht. Groß. Mit Tränen. Daneben die Bilder vom kleinen Bruno. Anfang und Ende. Illustrierte Gegensätze, die mit Sicherheit beim Betrachter eine dramatische Wirkung erzeugen. Überdies sind in den Bildern liebevolle Details zu entdecken, die textunabhängige Geschichten offenbaren. So hängt ein Liebesbrief mit Foto in Claras Wohnzimmer, der von einer – vielleicht vergangenen – Liebesgeschichte erzählt.

Das Buch ist eine schöne Anregung für Erwachsene, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Über den Umgang mit Tod, Abschied und Trauer, Lebens-Zeit und Liebe. Es lädt ein, die vielen Details gemeinsam zu entdecken und anhand der nur im Bild angedeuteten Geschichten diese auszuspinnen.

Juliane Eyermann