Für das eine oder andere europäische Spatzenhirn dürfte der australische Laubenvogel sicherlich ein Paradiesvogel sein, der seinesgleichen sucht. Um den Bräuten zu imponieren schmückt der Laubenvogel Gartenlauben (was sonst?) auf atemberaubend schöne Weise. Manchmal dekoriert er alles in einer Farbe. Vorzugsweise in Blau.

Die Erden-, Luft- und Wasserbewohner, die den Weg in dieses Buch gefunden haben, zeichnen sich durch „des Merkens würdige“ Besonderheiten aus und sind rund um den Globus angesiedelt. Der Leser besucht den Ozeanboden der Riesenröhrenwürmer, begibt sich in die Lüfte mit Monarchfaltern und Mauerseglern und wandert mit Dsungarischen Zwerghamstern durch die Steppe – um nur vier Arten der insgesamt 41 Tiere zu nennen.

Bibi Dumon Taks Texte stellen untersuchungstechnisch präzise und in durchgängig ironischem Ton die sehr besonderen Kreaturen vor. Besonders witzig sind ihre Schilderungen zur Entstehung der ungewöhnlichen Tiernamen (s. Laubenvogel) und zu den besonderen Fertigkeiten die Tiere. „Fabel“haft vergleicht die niederländische Autorin überdies charakteristische tierische Verhaltensweisen mit denen der Menschen. Wenn beispielsweise zwei Mandschurenkraniche heiraten wollen, geben sie einander tanzend das Jawort. Dann laufen sie mit ihren stelzenartigen Beinen Achten, breiten die Flügel aus und werfen alles in die Luft, was ihre Darbietung noch eindrucksvoller werden lässt…

Auf kleine informative Nachbemerkungen in horizontalem Blocksatz stößt der Leser Seiten später. Die Querverweise verleiten zum Zurückblättern und erneutem Lesen. Die Anschau-lichkeit der Beschreibungen wird durch die schlichten Schwarz-Weiß-Zeichnungen verstärkt. Wie die Autorin stellt Fleur van der Weel die Tiere bisweilen grotesk in Szene. In einer Art Holzschnitttechnik gestaltet, agieren die Tiere in komischen Posen. Sie schauen dabei oft den Betrachter direkt an. Muster, reduziert durch besonders dicke oder dünne Linien und skizzenhaft grobe Körper deuten an, was die Phantasie ausmalen soll.

Da Bibi Dumon Tak Tierisches als allzu Menschliches und umgekehrt beschreibt, bieten sich entsprechende Passagen für Gesprächsrunden an. Vorab könnten geeignete Beispiele pantomimisch dargestellt werden, um danach menschliche Verhaltensmuster zu hinterfragen.

(Der Rote Elefant 28, 2010)

Franziska Henning