Cover: Antonie Schneider, Ist Ida da?:

IST IDA DA? NEIN, IDA IST NICHT DA. Spielt Autorin Antonie Schneider im knappen Frage- und Antwortdialog mit Wörtern und Lauten, so entwirft die Wiener Illustratorin Julie Völk dazu eine Drehbühne mit Garten, wo sie analog zum Sprachspieltext Spielzeugfiguren in Szene setzt: Bär, Froschkönig, Hase, Hund, Figuren eines Puppentheaters, Katze, Vogel und Puppe warten auf Ida. Umgeblättert! Da schaukelt ja Ida! Irrtum, verrät der Stempelbuchstabentext: ICH BIN NICHT IDA. Die Schaukelnde erweist sich als Puppe. SUCHEN WIR SIE? Diese Einladung wird gern angenommen, denn die Spur führt auf die nächste Seite. IST IDA IRGENDWO? Die Garten-Bühne wurde gedreht und an die Betrachter*innen herangezoomt. OHNE IDA IST ALLES NICHTS … AAALLES LAAAANGWEILIG! Wirklich? Jede Figur hat sich bisher doch auf ihre Weise beschäftigt? Oder hatte der Frosch vorher auch schon eine Tasse an der Angel? Nein, die Angel steckte ja noch im Teich. Stand der Hund vorher auch schon unterm Stuhl? Nein. Er lag darunter. Saß Kasper vorher auch schon im Fenster des Puppentheaters? Nein. Er lehnte an der Puppenkiste … Völks Gartenakteure wollen genau angesehen werden. Dann gerät die Inszenierung des Ida-Suchspiels zum „Schau“spiel im besten Wortsinn. Als der Briefbote Nachricht von Ida bringt, erfahren die Wartenden: BIN GLEICH DA! IDA.

Anders als bei Samuel Beckett’s „Warten auf Godot“ bricht hier Vorfreude aus: Teller und Sandkuchen kommen auf den Tisch, Blumen werden gepflückt und in die Vase gestellt und endlich ist IDA da! Langeweile war gestern! Aber: Wird nicht allzu schnell jeder Moment des Wartens mit diesem Wort negativ besetzt? Hier jedenfalls braucht es eine lange Weile fürs gemeinsame Anschauen, Vor- und Zurückblättern von Bilderbuchseiten, fürs Vorlesen oder Nachdenken und Sprechen über Bilder und Text. Gerade kleine Kinder können so im eigenen Tempo Illustrationen und Vorlesetext genießen und verstehen.

Julie Völks filigrane, mit Bleistift gezeichnete Bildszenarien, worin buntstiftgefärbte Figuren agieren, regen dazu an, kleinste Unterschiede zwischen den Bildszenen zu entdecken und zu beschreiben, z. B. auch die zwischen Vor- und Nachsatz, deren Blumenwiesen an Kunstwerke der Impressionisten erinnern. Überdies fordert das Buch zum lautmalerischen Sprach- und Sprechspiel heraus: Aus Ida könnten ja Ada, Ede oder Otto werden, aber halt! Dessen Mops mopst (oder hopst?) ja schon durch die konkrete Poesie.

Sabine Mähne