„Was sind Gedanken?, fragte Nora.
Dinge, die du denkst.
Was ist Denken?
Was du in deinem Kopf tust.
Wie denn?“
Während sie spazieren geht, badet, Vögel beobachtet oder die Bibliothek besucht, macht sich Nora Gedanken über das Denken. Oder erinnert sie sich nur an diese Situationen? Sie entdeckt und erfährt: Gedanken können laut oder leise, leicht oder schwer sein. Unerwartet auftauchen oder auch verschwinden. Und in der Realität wirksam werden: „Denken ist Tun“.
Im Bilderbuch von Annelies Beck und Hanneke Siemensma nehmen Noras Vorstellungen und Ideen bildhafte Form an, werden zu Wolken oder dahinziehenden Schwänen. Autorin Annelies Beck lässt Nora in einem dialogischen Text in die Welt des Philosophierens eintauchen und liefert auf große Fragen kurze, verständliche und doch recht offene Antworten. Wer hier auf Noras Fragen reagiert, bleibt ebenfalls offen. Ist es die blaue Katze, die immer wieder auftaucht? Oder handelt es sich um Noras inneren Gedanken-Dialog?
So, wie Gedanken Zeit und Raum brauchen, um zu entstehen und sich zu entwickeln, wird dem Bilderbuchtext ebenfalls viel Platz eingeräumt. Auf weiße Flächen gesetzt, wirken die Worte bedeutsam und gleichzeitig leicht und zart. Ein- und doppelseitige Illustrationen in Buntstift- und Aquarelloptik komplementieren den Text und eröffnen Assoziations- und Möglichkeitsräume.
So gestaltet Illustratorin Hanneke Siemensma zur Frage, ob Gedanken verschwinden können, eine Doppelseite mit einer großen dunkelblauen Farbfläche in der Mitte. Diese wirkt wie ein Gewässer, in dem sich ein Baum spiegelt, und zugleich wie eine gewaltige dunkle Wolke, aus der zarter Regen fällt. Am fernen Ufer des aquarellierten Blaugraus, im Hintergrund des Bildes, stehen winzig wirkende Menschen – oder werden sie von der Wolke getragen, sinken gar in diese ein?
Hanneke Siemensma arbeitet häufig mit Materialien wie Kohle, Kreide, Bleistift und kombiniert diese mit Stempel- und Drucktechniken. Auch in diesem farbigen Bilderbuch wendet sie diese Mischtechnik an, setzt in ihre Zeichnungen an kindliche Kritzeleien erinnernde Details und Abdrücke von Laubblättern. Ihre reduzierten, spontan und verspielt-träumerisch erscheinenden Illustrationen sind teils konkret, teils abstrakt gehalten, ganz dem Gegenstand entsprechend.
„Gedanken denken” animiert zum Nach- und Weiterdenken: über die Natur von Gedanken und des Denkens. Eine künstlerische Arbeit mit den im Buch verwendeten Materialien und angewandten Techniken bietet sich an, um sich dem Thema zu nähern. Welche Gedanken würden die Kinder gern einmal festhalten?

