Cover: Alice Briére-Haquet, Wir ziehen um!

„Zu Verkaufen! Ein Haus, mein Haus, unser Zuhause“, heißt es gleich auf der ersten Seite dieses großformatigen Bilderbuches. Der Anpreiser: ein Junge, der durch die Räume eines einstöckigen Hauses und den dazugehörigen Garten führt. Die kurzen prägnanten Sätze erinnern an Immobilien-Anzeigen, zumal der Text auf fast jeder Seite mit den Worten „Zu Verkaufen“ beginnt. Doch da hier das Zuhause des Jungen war, erfahren die Interessent*innen – anders als bei einer herkömmlichen Hauspräsentation – viel mehr über das bisherige Leben darin, z. B. wofür die Räume sich eignen würden bzw. was sich darin zutrug, wobei der Junge nichts beschönigt. Wenn er beispielsweise sein „kleines Zimmer mit großem Schrank“ vorführt, lässt er auch wissen, dass es „ein bisschen dunkel“ ist: „Aber keine Sorge, ich lass meine Sterne dran!“ Ehrlicherweise erwähnt er auch die im Keller lauernden Ungeheuer.

Autorin und Illustrator legen ein fantasievolles Buch über den Abschied aus einer liebgewonnenen Umgebung vor. Obwohl der Junge sein vertrautes Zuhause nun verlassen muss, kommt er mit dem Umzug offenbar gut zu Recht, packt doch die Familie die letzten Kartons mit erfreutem Gesicht in den Möbelwagen.

Da bei einem Umzug Kartons und Packpapier bedeutende Rollen spielen, nutzte Barroux zur Gestaltung des Buches entsprechende Farben und Materialien. Aus diesen Brauntönen stechen immer wieder einzelne bunt gestaltete Gegenstände als Bedeutungsträger hervor. Einfach gehaltene Tuschzeichnungen ergänzen die Collagen. So ist beispielsweise der Protagonist einer Punkt-Strich-Zeichnung sehr ähnlich, was für die Betrachter*innen gleichzeitig Nähe oder Distanz schafft.

Das Buch eignet sich gut dazu die Themen Umzug, Veränderung oder Abschied mit Kindern zu besprechen. Die an den Jungen gebundene Erzählperspektive und die insgesamt optimistische Herangehensweise von Autorin und Illustrator erleichtern dabei einen Zugang, zumal diese Themen auch mit Ängsten einhergehen können. Je nach Erfahrungen könnten Kinder Leerstellen in den Bildern füllen, denn manches bleibt darin offen: Wer ist die winkende Frau am Fenster? Ist es die Mutter? Haben sich die Eltern möglicherweise getrennt? Oder ist die Winkende schon die neue Besitzerin?

Peter Semper