Die Mitte der Welt
464 Seiten
ab 14 Jahren
€ 11,00

Ein Ozean trennt alte und neue Welt. Für die 17jährige Amerikanerin Glass, die sich hochschwanger nach Europa flüchtet, bedeutet der räumliche Abstand nicht, was sie erhoffte. Ihre persönlichen Probleme, insbesondere mit Beziehungen, reisten mit als blinde Passagiere. Die junge Mutter bezieht mit den Säuglingen, den Zwillingen Dianne und Phil, das schlossartige Haus ihrer Schwester, die kurz vor ihrer An- und Niederkunft verunglückte. Das Gemäuer trägt den bedeutungsschweren Namen „Visible“, der zugleich das Programm des Romans bezeichnet. – „Sichtbar“ wird für alle Bewohner ihr Lebens-Weg jedoch erst nach und nach.

Steinhöfels Roman beschreibt Himmel und Hölle des Lebens. Allen voran steht der junge Phil, der mit seinem Schwulsein und den ersten Liebeserfahrungen fertigzuwerden versucht. Ihm an der Seite eine ganze Staffel an Außenseitern. Steinhöfel zeichnet Psychogramme en masse, quer durch alles, was die bürgerliche Gesellschaft so schön als abweichendes Verhalten tituliert. Die Story schreibt er dabei direkt und drastisch auf die Körper der Protagonisten. Das wäre schwer zu ertragen, wäre nicht alles fiction in dem Roman. Mit Augenzwinkern umkurvt Steinhöfel den Kitsch, in dem er die adoleszente Dramatik kolportiert. Der gekonnt gesponnene Plot zieht mit viel Spannung und Humor durch die drei Bände des rund 500-seitigen Romans; dabei spürt man den an US-amerikanischen und englischen Übersetzungen geschulten Stil des Autors. Der Buchtitel verbirgt übrigens eine sympathische Flunkerei: Im Roman benennt Steinhöfel „die Mitte der Welt“ als in der Bibliothek des Hauses gelegen. Im Nachwort nimmt seine Familie diesen Platz ein. Wo diese Mitte wirklich ist, verrät er nicht.

Mit diesem Roman, der persönliche Geheimnisse charmant und programmatisch respektiert, kann jeder versuchen, allein herauszubekommen, wo seine Mitte verborgen liegt.