Große Schwester, kleine Schwester: In blauer Latzhose und rotem Kleid stehen sie, lächelnd und die Hände hinter dem Rücken, auf dem leuchtend gelben Umschlag dieses Bilderbuchs. Blättert man auf, turnt ein kleiner Stoffelefant wild auf dem Vorsatzpapier herum. Die große Schwester stellt uns ihre kleine Schwester Ada und deren Kuscheltier vor. In knappen Sätzen führt sie uns durch eine Woche, die Ada mit dem Satz beginnt: „Ich bin zu klein! Will lieber ein Elefantchen sein.“ Mit jedem Wochentag verwandelt sich Ada mehr und mehr, bekommt einen Rüssel, Schwanz und Riesenohren. Auch das Durcheinander rund um den mit Blumenvase und Kuchenteller gedeckten Tisch nimmt deutlich zu. Sonntags sind dann beide Schwestern unter dem Tisch verschwunden und der Gugelhupf liegt, zur Freude der Fliegen, die schon die ganze Woche versucht haben, davon zu naschen, wie ein Elefantenhaufen auf dem Fußboden. „Wir sind noch klein“, lautet die Entschuldigung der Mädchen, als sie wieder auftauchen und wie zwei Krabbelkinder die Bildfläche verlassen.
Julie Völk braucht nur wenige, bewusst gesetzte Gestaltungsmittel, um in diesem Kammerspiel parallel mehrere Geschichten zu erzählen. Die zwölf Doppelseiten dienen als Bühnenraum. Um den schön gedeckten Tisch in der Mitte spitzt sich das Geschehen im Lauf der Woche in einer Komposition aus Statik und Bewegung (alltags-)dramatisch zu. In klaren schwarzen Linien zeichnet Völk die beiden Schwestern, mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik, und koloriert mit wenigen satten Farben Kleidung und Blumen, in mattem Himmelblau aber Adas imaginäre Elefantenglieder.
Parallel dazu schwirrt eine schwarze Fliege durch den Raum, die sich dann mit ihren Artgenossen über den ruinierten Kuchen hermacht.
Jedes Kind kennt solche fantasievollen Spiele, die in einem Missgeschick enden, und auch den Wunsch, manchmal groß und dann lieber wieder klein zu sein. Das Bilderbuch bietet Redeanlass über Geschwisterstreiche, Missgeschicke und Fantasiespiele. Einen Einstieg könnte ein Tisch mit wenigen Requisiten und weißer Decke bieten. Kopierte Zeichnungen dieses Tisches laden Kinder dazu ein, eine eigene Geschichte zu malen.

