Dusty Hill ist eine Western-Stadt, wie sie im Buche steht: mitten in der Wüste gelegen, mit einem Saloon („Zum Goldenen Pony“) und einer bunt gemischten Bevölkerung. Eines Tages tauchen fünf Fremde auf. Sie wollen einen Teller mit Wasser. Das hat noch nie jemand bestellt! Dann fliegen sie auch noch auf den Kronleuchter! Warum? Schließlich haben doch nur zwei Fleischfresser den Saloon betreten. Kein Grund, nervös zu werden! Baden im Sand? Verboten! Ein Seil kaufen? Verdächtig! Was die fünf auch tun – die Bewohner von Dusty Hill sind sich einig: Den fünf Neuankömmlingen kann man nicht trauen! Als die Fremden dann Dusty Hill verlassen, ist klar: „Solche Typen verabschieden sich nie.“

Daniel Fehr erzählt in seinem neuen Bilderbuch subtil und amüsant von einer bigotten Gesellschaft, die keine Fremden aufnehmen will und diesen selbst die Schuld an ihrer Nichtintegration gibt. Dafür das Western-Genre zu wählen, ist klug und angesichts der Entwicklungen in den USA hochaktuell. Barbara Scholz erschafft in erdig-sonnigen Farbtönen eine detailreiche Westernwelt, wobei sie die Emotionen ihrer Figuren mit wenigen Strichen überzeugend ins Bild setzt. Ihre Tierwelt ist divers – so wie es (Einwanderungs-)Gesellschaften nun mal sind: Da spielen Eule und Maus zusammen Karten, Geier und Schlange sind befreundete Revolverhelden. Doch als die fünf fremden kleinen Vögel ankommen und das „Stadtbild“ stören, muss eingegriffen werden.

Text und Bild ergänzen sich hervorragend: Während der Text sich auf die Perspektive der Dusty Hill-Bewohner beschränkt, ist im Bild zu sehen, was tatsächlich passiert. Kaum baden die Fünf fröhlich im Sand, wird das Sandbaden verboten. Dabei sitzen zwei Einheimische direkt daneben in einer Badewanne.

Ein von den Vögeln gespanntes Seil ist angeblich eine Stolpergefahr, dabei hängt es hoch über der Gasse. Dem Betrachter wird schnell klar, dass zu keiner Zeit eine Bedrohung von den Fremden ausgeht. Trotz der Behauptung, man sei freundlich und vertrauensvoll den Fremden gegenüber, holen die Bewohner von Dusty Hill ihre Kinder von der Straße und sichern ihre Häuser. Und obwohl ihr Verhalten von Misstrauen und Schikanen geprägt ist, sind die Dusty Hiller überzeugt, ihr Bestes gegeben zu haben. Was für ein ernüchterndes Gesellschaftsbild!

Mit Grundschulkindern, die gerade lernen, Ironie zu verstehen, bietet das Buch einen klugen und witzigen Ansatz, über Vorurteile und den Umgang mit anderen nachzudenken und zu diskutieren. Spannend wäre der Perspektivwechsel: Wie erleben die fünf Fremden Ankunft und Aufenthalt in Dusty Hill?