„Nimm Platz, dir Zeit und unter die Lupe, was man so alles tun und machen kann von A bis Z.“ Die Aufforderung des Klappentextes lässt bereits den originellen konzeptionellen Ansatz des neuen, großformatigen ABC-Sprachspielbuches von Ina Hattenhauer erkennen. Zu jedem Buchstaben des Alphabets suchte die Künstlerin ein Verb aus, dem verschiedene Bedeutungen innewohnen, die wiederum in manchen Redewendungen stecken: bei a zum Beispiel „warm anziehen“ und bei z „den Stecker ziehen“. Für die Buchstaben x und y erfindet sie schlitzohrig von Substantiven abgeleitete Verben (xylofonieren, yogieren) und auch dem Trigraphen sch ordnet sie ein Verb zu (sch wie schlafen).
In Reihenfolge des ABC, von den gewählten Verben überschrieben, widmet Ina Hattenhauer diesen je eine farbenprächtig ausgefüllte Doppelseite. Darauf lassen sich stets dieselben elf Angehörigen einer illustren Tiergemeinschaft in durchweg alltäglichen Szenerien unserer Menschenwelt entdecken. Deren liebevoll karikativ dargestelltes Tun nebst ausdrucksvollen Minenspielen und witzigen Accessoires setzt Bedeutungsvarianten der Wörter sowie übertragene Wendungen augenzwinkernd-einprägsam in Bilder und Bildgeschichten um.
Da baut der Hund aus Bausteinen einen hohen Turm und das Schaf baut wortwörtlich Mist; der Elefant geht nicht durch die Tür und die Schnecke geht dem Faultier auf den Keks; mal verstehen die anderen beim Hirsch nur Bahnhof, die Spinne hingegen versteht ihr Handwerk und sich selbst als Künstlerin.
Beim Entschlüsseln all dessen helfen die in die Wortgruppen eingebundenen und dadurch wiederholt zu lesenden Verben. Da nicht jedes Verb gleichermaßen Mehrdeutigkeiten aufweist, laden zum Beispiel bei „r wie reimen“ zusätzlich lückenhafte Sprechblasen zum Mitreimen ein.
Was für ein Spaß und sprachliche Förderung zugleich, einzelne Seiten zu entdecken und zu erzählen, was (textgestützt) alles zu sehen ist! In der Beschäftigung mit dem Buch lassen sich gewiss weitere mehrdeutige Verben ausmachen. Der Verlag hebt auf seiner Website das Potenzial des Buches zur Wortschatzerweiterung hervor und liefert als Material für den Unterricht ein Buchstabenrad und eine textbereinigte Beispielseite.
Schon in Das ausgelassene ABC (DJLP-Nominierung 2020) regte Ina Hattenhauer durch das Weglassen von Buchstaben zu lustvollem Erraten und Erfinden von Wörtern an. Wie damals arbeitete die Künstlerin auch diesmal vorab mit der Bilderbuchzeitschrift Gecko zusammen.

