Weil „etwas passiert ist“, fahren Mama und Papa mit Hans endlich wieder zu den Großeltern. Opa liegt im Krankenhaus, sein Herz ist „gestolpert“ und „stottert“. Die Erwachsenen besuchen ihn täglich – ohne Hans. Bis er selbst mit zu Opa darf, erkundet der Junge das Dorf, allein oder mit Liv und Mats. Einmal machen sich die Kinder sogar auf den Weg, das Krankenhaus zu finden … Als es Opa endlich besser geht, darf Hans ihm seine Lieblingsbonbons bringen und einen gefundenen Schatz: das Wort Tinnef.
Thematisch mag Judith Burgers Kinderbuch keine Neuheit darstellen. Doch gelingt es der Autorin, den zahlreichen Titeln über innige Großeltern-Enkel-Beziehungen oder Krankheit/ Tod und Trauer ein Werk mit einer philosophischen Facette hinzuzufügen: Leben ist Veränderung (frei nach Heraklit). Denn Hans hat von Opa gelernt, dass nichts so bleibt, wie es ist. Zum Beispiel das Bonbon: „Erst ist es hart … und dann weich. Er selbst: „Erst bist du klein … dann bist du groß!“. Und Opa: „Erst ist er krank … dann wieder gesund.“ Nur kann das Gesundwerden dauern, genau wie das Wachsen. Das gedanklich-poetische, auf Erinnerungen zurückgreifende Leitmotiv durchzieht den gesamten Text. Es spiegelt Hans’ Sehnsucht nach Opa wider und entspricht zugleich dem kindlichen Horizont des Protagonisten, der sich selbständig momentanes Sein und Anderswerden erklärt. Eltern und Oma sind stark mit ihrer eigenen Aufgeregtheit und Traurigkeit befasst. Auch für deren phraseologische Aussagen und differenzierte Bewältigungsstrategien – inklusive feucht-fröhlichen ‚Gedenkens‘ – verfügt der Junge über feine Antennen. Nicht zuletzt fängt Judith Burger in Hans und den kindlichen Nebenfiguren spielerische Entdeckerlust, solidarisches Miteinander und noch unerfahrenen Tatendrang ein. Dafür bildet das dörfliche Umfeld geradezu einen Nährboden („so anders als zu Hause“ in der Stadt).
Julie Völks leicht und zart wirkende Zeichnungen in Mischtechnik konzentrieren sich auf die ‚Kinderwelt‘. Teils ganzseitig, teils in Textseiten integriert, zeigen sie Hans, Liv und Mats bei ihren Unternehmungen in ansonsten fast menschenleerer Umgebung. Scheinbar einfache Striche und Schattierungen erinnern an (Buntstift-)Bilder von Kindern. Sie korrespondieren mit einer durchgezogenen Strichellinie am oberen Rand jeder Seite, in die von Hans wahrgenommene Dinge und Erscheinungen (etwa ein Bolzen oder Regenwolken) eingefügt sind. Ganz am Schluss sieht man den Enkel doch noch zusammen mit Opa, einmal am Krankenbett und – Künftiges vorwegnehmend – auf dem Nachhauseweg.
Das Buch bietet beim (Vor-)Lesen Anlässe und Anregungen besonders für individuelle Gespräche. Mit etwas älteren Kindern könnten, vom Titelbild ausgehend, auf dem Hans ein fliegendes (Luftballon-)Herz hält, Herzzustände umschreibende Redewendungen gefunden und entschlüsselt werden.

