„Wie war’s heute?“, fragt Papa beim Abholen aus der Kita. Eike denkt: wie jeden Tag. Aber genau kann er es gar nicht sagen. Zu Hause geht Eike vor dem Abendessen noch zum Spielen in den Garten. Als ihm ein Ahornblatt zuzuwinken scheint, muss er an die Ankunft in der Kita und die Begrüßung durch seine Freunde denken. Das Zetern einer Amsel erinnert ihn an den Streit um die Rutsche, ihr Lied an den Gesang im Stuhlkreis. „An einer Stelle hat es so schön geklungen, dass es in seiner Brust geziept hat.“ Überall in der Natur wird Eike an seinen Kita-Tag erinnert. Ihm fällt ein, dass ihm der Mut fehlte, durch den Kastentunnel zu krabbeln, und dass Ella ihm am Basteltisch ein Herz aus Knete zugeschoben hat. Jetzt weiß Eike auch, was er Papa erzählen will. Ganz viel! Das Ahornblatt nimmt er mit.
Überschauend und nah an ihrem Protagonisten erzählt Nikola Huppertz von einem Tag, der viele Erlebnisse mit sich brachte. Beim Spielen kann Eike die Geschehnisse des Tages und seine Gefühle verarbeiten. Dabei lauscht er dem Wispern der Sonne und der Blätter und verbindet sich mit der belebt wirkenden Natur. „Vor ihm, hinter ihm, neben ihm rauscht es. Es rauscht sogar in ihm drin. Und irgendwo in dem Rauschen aus tausend geheimnisvollen Stimmen wispert es: „Na, wie war’s?“
In den farbenfrohen Illustrationen von Susanne Straßer bietet der Garten mit Mauer und Ahornbaum dem etwa Fünfjährigen sicheren Raum, um zur Ruhe und ins verarbeitende Spielen zu kommen. Der idyllische Ort ist in kräftigen Grün-, Rot- und Gelbtönen gehalten, wobei das Leuchten der Sonne besonders wirkungsvoll ins Bild gesetzt ist. Auf jeder Seite sieht man Eike aus anderer Perspektive: mal von oben, neben dem Baum stehend, wenn die übergroß wirkende Amsel mit ihm schimpft, oder fast so klein wie eine Ameise, wenn er an seine Angst vor dem Kastentunnel denkt. Bildkünstlerisch bemerkenswert ist, dass Susanne Straßer Eikes Erinnerungen an die Erlebnisse in der Kita als Umrisszeichnungen in Rot oder Schwarz in die Gartensituationen platziert. Für dieses Buch arbeitete die Künstlerin erstmals ausschließlich digital. In Nikola Huppertz’ und Susanne Straßers Bilderbuch wird deutlich, dass manche Kinder Zeit brauchen, um die Erlebnisse eines Tages zu verarbeiten. Erst dann können sie von ihnen berichten.
Mit Kitakindern könnte man den Ausschnitt der Doppelseite betrachten, auf der Eike träumend am Baum lehnt. Woran denkt er wohl? Wie fühlt er sich? Die Doppelseite im Ganzen stellt Eikes Erinnerungen an den Musikkreis in der Kita dar. Was könnte er an dem Tag noch erlebt haben?

