Cover: Jürg Schubiger; Als die Welt noch jung war

Wie entstand die Welt? Der Erzähler inszeniert in der ersten von acht gelesenen Geschichten einen fiktiven Dialog. Immer wieder setzt der Vorlesende an, die Entstehung der Welt zu beschreiben. Bis eine Frage ihn unterbricht, er den Unterbrechenden auffordert, die Geschichte doch selber zu erzählen. Dieser erfindet Eva als „ersten“ Menschen. Ein weiterer Erzählansatz fokussiert das Paradies, denn „so hieß die Welt, als sie noch jung war“, ein nächster wählt eine materialistische Variante. Die verschiedenen Ansätze verdeutlichen, dass Geschichte(n) kein Ende, aber viele Anfänge haben. Auch bei den Geschichten über Engel und Tod verweisen offene Schlüsse auf mögliche Eigenschöpfungen bzw. uneindeutige Aussagen auf die Subjektivität  mythisch-religiöser Geschichten.

Spannend „Das große Brot“. Ein lange gekauter Bissen Brot wird süß, ein wieder und wieder gesprochenes Wort (Brot, Brot …) fremd. Erst mit Abstand kann das Wort seine Bedeutung zurückerlangen. Unterlegt sind die Geschichten mit mediativen Klängen. Sie zielen auf Abstraktion und unterstreichen den Inhalt atmosphärisch. Jürg Schubigers Stimme wirkt als Stilmittel bewusst (?) monoton.

Inhaltlich bieten sich vor und nach dem Anhören viele kreative Anknüpfungen: Welche Welt-Entstehungsgeschichten kennen die Zuhörer? In Kleingruppen entscheiden sich die Kinder für eine Variante und für eine bestimmt Erzählform (szenisch, als Kreiserzählung, ein Erzähler, begleitet von selbstgestalteten Hintergrundgeräuschen u. ä. ). „Das Brot“ könnte Ältere mittels genauer Wortbetrachtung zu dadaistischer Lyrik führen. In beiden Fällen dienen Kassettenaufnahmen zum Anhören eigener Erzähl- und Wortexperimente.

Sonja Gähler