Die Geschichte beginnt bereits auf der Umschlagseite: Die zeigt irgendein nach Militär aussehendes kleines Monster auf einem sich hochbäumenden Pferd. Weiter geht es auf dem Titelblatt: Der Reiter scheint einem Soldaten, dem gleich die Mütze wegfliegt, etwas zu befehlen. Dann geht es innerhalb des Buches los: linke Seite oben ein kleiner Hund, ihm gegenüber der wachhabende Soldat, rechte Seite leer. Damit ist die Ausgangssituation geklärt: Auf die rechte Seite darf keiner! Links sammelt sich Seite für Seite ein Querschnitt durch die Menschheit: Sportler, Arbeiter, Schwangere, Männer, Frauen, Kinder usw., bis die Seite voll ist, quasi überläuft und die Grenze zur rechten Seite sprengt. Da können auch das kleine Monster, das sich jetzt als General entpuppt, und seine herbeigerufene Soldateska nichts mehr machen. Es kommt sogar zu Beschimpfungen: „Mistkerl, Verbrecher, Grützkopf“. Der nachgiebige Grenzwächter jedoch wird als Held gefeiert. Aber die Menge zieht weiter, verlässt auch die rechte Seite und hinterlässt nur noch ein Chaos von Gegenständen.

Voller Bilderlust und Sprachwitz entwerfen die Buchmacher ein anarchistisches Durcheinander von kleinen bunten Figuren und ihren Requisiten, mitten darunter die in Schwarz-Weiß gezeichnete Erzählerin selbst. So angedeutet und manchmal karikaturistisch die Figuren auch sind, sie drücken trotzdem Gefühle aus: Unmut, Wut, Ratlosigkeit, dann Übermut, Freude und Schadenfreude. Ein ganzer Kosmos menschlicher Befindlichkeiten und die generelle Aussage: „Wir lassen uns nicht einsperren. Verbote und Mauern können uns nicht aufhalten“. Bemerkenswert aktuell das Ganze. Alle Figuren, sowohl die realen als auch die imaginären wie Huhu, das Gespenst, und Luis, das Kaninchen, sind mit Namen ausgestattet und tauchen mit verschiedenen Haltungen und Gesten auf den Umschlaginnenseiten vorne und hinten wieder auf. Sie fordern geradezu auf, ihr Verhalten während des ganzen Geschehens zu überprüfen. Nicht zu vergessen die Anspielungen auf wirkliche Personen, es gibt einen Lionel und einen Cristiano! Wieso sind die ständig mit einem Ball unterwegs? Für politische Einsteiger wären noch die Wörter „Demo“ (im Buch) und „Zivilcourage“ (nicht im Buch) zu erklären. Und dann raus auf die Straße!

Rudolf Wenzel